Armenisch-katholische Kirche
Die „Mariä-Geburts-Kirche" — der barocke Stolz von Gheorgheni,
errichtet von einer 1668 aus der Moldau geflüchteten armenischen Gemeinde.
Die Mariä-Geburts-Kirche — ein barockes Kleinod
Die armenisch-katholische Kirche in Gheorgheni (auch Mariä-Geburts-Kirche genannt) befindet sich im nordöstlichen Teil der Stadt an der Straße zum Lacul Roșu. Dieses barocke Gebäude ist eines der wichtigsten sakralen und kulturellen Zentren der siebenbürgisch-armenischen Gemeinde — ein von einer Steinmauer und zwei gedrungenen Türmen umgebenes Baudenkmal mit Wehrkirchen-Charakter.
„In dieser Gegend leben zwei Arten von Menschen: jene, die wissen, dass sie armenische Vorfahren haben, und jene, die es noch nicht wissen. Denn die Armenier waren und sind überall."
— Siebenbürgisches SprichwortEine Wanderung über tausende Kilometer
Die Armenier hatten nie ein leichtes Leben — nach den seldschukisch-türkischen Eroberungen um die Jahrtausendwende verließen viele Armenien. Nach mehreren Jahrhunderten auf der Krim und in der Moldau erreichten sie Siebenbürgen auf der Suche nach einer „Zuflucht".
Gotische Kapelle
An der Stelle der heutigen Kirche stand bereits eine um 1450 errichtete gotische Kapelle, die anfangs von den ankommenden Armeniern genutzt wurde.
Erste armenische Siedler
Ankunft des ersten urkundlich belegten armenischen Brüderpaares — Hörtz Azbej und Vartik — in Gheorgheni. Auf ihren Wegen durch die Stadt erschienen sie häufig auf dem örtlichen Markt.
Massenansiedlung
Mehrere hundert armenische Familien treffen aus der Moldau in Gheorgheni ein. Gheorgheni hatte 1607 Stadtrecht erhalten — die Armenier nutzten diese Gelegenheit.
Niederlassungsrecht
Michael Apafi I., Fürst von Siebenbürgen, gewährte den Armeniern das Niederlassungsrecht — damit war ihre Rechtsstellung in Siebenbürgen offiziell „beurkundet".
Kirchengrundstück
Sie kaufen das Grundstück mit dem Namen „Friedhof der Fremden" samt einer kleinen Kapelle. Bemerkenswerte Klausel: Bei einem Wegzug aus der Stadt darf der Kaufpreis nicht zurückgefordert werden — ein Zeichen dafür, dass Gheorgheni damals noch als vorübergehender Aufenthalt galt.
Bau der barocken Kirche
An der Stelle der gotischen Kapelle wird in vier Jahren die heutige barocke Kirche errichtet. Der Bau schreitet parallel zum Aufstieg der Stadt und zur wirtschaftlichen Stärke der Armenier voran.
Weihe
Die Kirche wurde zu Ehren der Geburt der Jungfrau Maria geweiht — daher auch ihr ungarischer Name „Kisboldogasszony" (Mariä-Geburts-Kirche).
Die 4 armenischen Siedlungszentren
In Siebenbürgen entstanden vier große armenische Siedlungen — davon ist das armenische Leben in Gheorgheni bis heute am lebendigsten, wenn auch nicht mehr wie einst.
Gheorgheni
Gheorgheni (armenisch: Dzsurzsov)
Die lebendigste armenische Gemeinde Siebenbürgens bis heute. Hier befinden sich die barocke Kirche und das Armenische Gemeindehaus, und von hier stammt die Tradition der Hurut-Suppe.
Gherla (Armenopolis)
Armenopolis · Hajakhagah · Gherla
Die größte armenische Stadt Siebenbürgens. Eines der Zentren des modernen Bankwesens und des Handels im 19. Jahrhundert.
Dumbrăveni (Elisabethstadt)
Jeghiszapetupolisz
Das armenische Zentrum an der Kleinen Kokel. Eine einst blühende Handels- und Religionsgemeinschaft.
Frumoasa
Csurcsov · Szipviz
Das ehemalige Zentrum der armenischen Gemeinde im Ciuc-Becken, mit einem bis heute aktiven Armenischen Gedenkhaus.
Was lohnt sich zu sehen?
Ringmauer und Bastionen
Die Kirche ist von einer mit Schießscharten versehenen Steinmauer und zwei gedrungenen Türmen umgeben, was ihr den Charakter einer Wehrkirche verleiht. Die Mauern erinnern an das Schutzbedürfnis der Armenier.
Venezianisches Altarbild
Das besonders wertvolle Altarbild des Heiligen Gregor des Erleuchters entstand 1752 in Venedig. Daneben steht eine reich verzierte barocke Kanzel.
Kreuzweg
In den Innennischen der Ringmauer sind Reliefs und Gemälde aus der Zeit um 1750 zu sehen — eines der eindringlichsten Kunsterlebnisse der Kirche.
Kirchturm und Panorama
Der barocke Turm beherrscht die Silhouette der Umgebung. Von oben überblickt man das gesamte Gheorgheni-Becken, die umliegenden Berge und die roten Dächer der Stadt. Im Inneren hängen mehrere Glocken.
Die große Glocke
Unter den Glocken des Turms wurde die große Glocke Mitte des 19. Jahrhunderts gegossen. Ihr Klang ist der unverwechselbare Klang der Stadt.
Armenisches Kunstfestival
Einmal jährlich findet in der Stadt ein armenisches Gastronomiefestival statt — dann ist auch der Kirchturm für die Öffentlichkeit zugänglich.
Siebenhundert Jahre alte Handschriften und Bücherraritäten
Die Pfarrbibliothek ist eine wahre Goldgrube, deren Bestand erst vor Kurzem von Forschern erschlossen wurde. Drei herausragende Stücke:
Surkhat-Evangeliar (1354)
Der Einband dieser 1354 entstandenen Handschrift ist das kostbarste Stück der Bibliothek. Surkhat (heute Staryj Krym) war einst ein blühendes armenisches Zentrum auf der Halbinsel Krim. Die Handschrift ist fast 700 Jahre alt — sie kann jederzeit in der Pfarrei besichtigt werden!
Astvatsashunch von 1666
Die erste gedruckte Heilige Schrift in armenischer Sprache — 1666 in Amsterdam erschienen. Ein Exemplar wird hier aufbewahrt. Der Originalname — „Astvatsashunch" — bedeutet nicht „Heilige Schrift", sondern „Atem Gottes". Die Jahreszahl in armenischen Buchstaben: 1115 (die armenische Zeitrechnung ist um 551 Jahre versetzt).
Direktorium von 1824
Eine Publikation zur Ordnung der liturgischen Riten. Eine Besonderheit: Sie nennt die Namen der 4 siebenbürgisch-armenischen Städte: Jeghiszapetupolisz, Gerla, Dzsurzsov und Szipviz.
Die „armenische Morgenfrühe", Hurut und die Rotmäntel
Die „armenische Morgenfrühe"
Die Armenier waren Händler. Im Morgengrauen kauften sie den gesamten Markt der lokalen Erzeuger leer, sodass der „gewöhnliche" Städter beim Einkauf nur noch Armenier antraf — die die Waren zum zwei- bis dreifachen Preis weiterverkauften. Daher kommt der Ausdruck.
Hurut-Suppe
Das bekannteste armenische gastronomische Erbe Siebenbürgens. Hurut: Geronnene Milch wird über mehrere Wochen täglich gerührt, dann mit Petersilienblättern vermengt, gekocht und abgetropft. Die Suppe heißt Aganjabur — „Ohrensuppe", denn die Teigeinlage erinnert an kleine Ohren.
Die Rotmäntel
Einst Mitglieder der Burschenbruderschaft, heute sind sie Pfarrgemeinderäte. Der Überlieferung nach schützten sie während der Wanderungen den Priester und das Allerheiligste — eine Art Wachtruppe. Eine Besonderheit: Diese Rolle besteht ausschließlich in Gheorgheni, sonst nirgendwo in der armenischen Welt.
Kaufleute und Bankgründer
Die Armenier trugen maßgeblich zur Verbürgerlichung von Gheorgheni bei. Sie gründeten die erste Sparkasse und später die Bank der Stadt sowie später auch in den umliegenden Dörfern (z. B. Joseni).
Das Geheimnis der armenischen Familiennamen
In der Stadt heißt es: Am Namen erkennt man, wer Armenier ist und wer nicht — und das funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Drei Kategorien:
Vom Mercantiel Forum bis zur Schließung der Schule
Die hiesigen Armenier besaßen Autonomie — sie hatten ein eigenes Beschlussorgan, das Mercantiel Forum, dessen Verhandlungssprache Armenisch war.
Das letzte armenischsprachige Jahr
In diesem Jahr fand das Mercantiel Forum noch in armenischer Sprache statt. Ab Anfang 1800 ging man zum Ungarischen und zur lateinischen Schrift über — von hier datieren wir das Aufgeben der Sprache.
Schließung der armenischen Schule
Der letzte institutionelle Schritt — mit der Schließung der armenischen Schule kam die Sprache endgültig außer Gebrauch. Heute lebt sie noch in der Liturgie in ihrer altarmenischen Form weiter.
Berühmte Persönlichkeiten armenischer Herkunft
Die Armenier sind eine erfinderische Nation. Sie erfanden den ersten Geldautomaten und auch die diagnostische Magnetresonanztomographie.
Weltweit bekannt
Ungarische und rumänische Armenier
Nützliche Hinweise
Erreichbarkeit
- Adresse: Armenische-Kirche-Straße 1
- Telefon: +40 266 361 517
- Pfarramt: Petőfi-Sándor-Platz 4
- GPS: 46.7247° N, 25.6059° O
Öffnungszeiten
- Während der Gottesdienste geöffnet
- Das Äußere ist jederzeit zugänglich
- Sonntags: Heilige Messe im armenischen Ritus
- Turm: während des Festivals oder nach Voranmeldung
Was sich lohnt
- Venezianisches Altarbild (1752)
- Barocke Kanzel
- Kreuzweg an der Ringmauer
- Turmpanorama über das Becken
- Surkhat-Evangeliar (1354)
Tipp
- Armenisches Gemeindehaus an der Pfarrei
- Jährliches Gastronomiefestival
- Lerne ein armenisches Wort: „hadzso" = Hallo
- „Shorhagalutjun" = danke