Armenisch-katholische Kirche
Baudenkmal · Sakrales Zentrum der siebenbürgischen armenischen Gemeinde

Armenisch-katholische Kirche

Die „Mariä-Geburts-Kirche" — der barocke Stolz von Gheorgheni,
errichtet von einer 1668 aus der Moldau geflüchteten armenischen Gemeinde.

erbaut 1730–1734 1772 geweiht Mit Ringmauer und 2 Türmen Armenische-Kirche-Straße 1
1668 Massenansiedlung
1672 Niederlassungsrecht
1752 venezianisches Altarbild
700 Jahre — Surkhat-Evangeliar

Die Mariä-Geburts-Kirche — ein barockes Kleinod

Die armenisch-katholische Kirche in Gheorgheni (auch Mariä-Geburts-Kirche genannt) befindet sich im nordöstlichen Teil der Stadt an der Straße zum Lacul Roșu. Dieses barocke Gebäude ist eines der wichtigsten sakralen und kulturellen Zentren der siebenbürgisch-armenischen Gemeinde — ein von einer Steinmauer und zwei gedrungenen Türmen umgebenes Baudenkmal mit Wehrkirchen-Charakter.

„In dieser Gegend leben zwei Arten von Menschen: jene, die wissen, dass sie armenische Vorfahren haben, und jene, die es noch nicht wissen. Denn die Armenier waren und sind überall."

— Siebenbürgisches Sprichwort

Eine Wanderung über tausende Kilometer

Die Armenier hatten nie ein leichtes Leben — nach den seldschukisch-türkischen Eroberungen um die Jahrtausendwende verließen viele Armenien. Nach mehreren Jahrhunderten auf der Krim und in der Moldau erreichten sie Siebenbürgen auf der Suche nach einer „Zuflucht".

um 1450

Gotische Kapelle

An der Stelle der heutigen Kirche stand bereits eine um 1450 errichtete gotische Kapelle, die anfangs von den ankommenden Armeniern genutzt wurde.

1637

Erste armenische Siedler

Ankunft des ersten urkundlich belegten armenischen Brüderpaares — Hörtz Azbej und Vartik — in Gheorgheni. Auf ihren Wegen durch die Stadt erschienen sie häufig auf dem örtlichen Markt.

1668

Massenansiedlung

Mehrere hundert armenische Familien treffen aus der Moldau in Gheorgheni ein. Gheorgheni hatte 1607 Stadtrecht erhalten — die Armenier nutzten diese Gelegenheit.

1672

Niederlassungsrecht

Michael Apafi I., Fürst von Siebenbürgen, gewährte den Armeniern das Niederlassungsrecht — damit war ihre Rechtsstellung in Siebenbürgen offiziell „beurkundet".

1717

Kirchengrundstück

Sie kaufen das Grundstück mit dem Namen „Friedhof der Fremden" samt einer kleinen Kapelle. Bemerkenswerte Klausel: Bei einem Wegzug aus der Stadt darf der Kaufpreis nicht zurückgefordert werden — ein Zeichen dafür, dass Gheorgheni damals noch als vorübergehender Aufenthalt galt.

1730–1734

Bau der barocken Kirche

An der Stelle der gotischen Kapelle wird in vier Jahren die heutige barocke Kirche errichtet. Der Bau schreitet parallel zum Aufstieg der Stadt und zur wirtschaftlichen Stärke der Armenier voran.

1772

Weihe

Die Kirche wurde zu Ehren der Geburt der Jungfrau Maria geweiht — daher auch ihr ungarischer Name „Kisboldogasszony" (Mariä-Geburts-Kirche).

Die 4 armenischen Siedlungszentren

In Siebenbürgen entstanden vier große armenische Siedlungen — davon ist das armenische Leben in Gheorgheni bis heute am lebendigsten, wenn auch nicht mehr wie einst.

Gheorgheni

Gheorgheni (armenisch: Dzsurzsov)

Die lebendigste armenische Gemeinde Siebenbürgens bis heute. Hier befinden sich die barocke Kirche und das Armenische Gemeindehaus, und von hier stammt die Tradition der Hurut-Suppe.

Gherla (Armenopolis)

Armenopolis · Hajakhagah · Gherla

Die größte armenische Stadt Siebenbürgens. Eines der Zentren des modernen Bankwesens und des Handels im 19. Jahrhundert.

Dumbrăveni (Elisabethstadt)

Jeghiszapetupolisz

Das armenische Zentrum an der Kleinen Kokel. Eine einst blühende Handels- und Religionsgemeinschaft.

Frumoasa

Csurcsov · Szipviz

Das ehemalige Zentrum der armenischen Gemeinde im Ciuc-Becken, mit einem bis heute aktiven Armenischen Gedenkhaus.

Was lohnt sich zu sehen?

Ringmauer und Bastionen

Die Kirche ist von einer mit Schießscharten versehenen Steinmauer und zwei gedrungenen Türmen umgeben, was ihr den Charakter einer Wehrkirche verleiht. Die Mauern erinnern an das Schutzbedürfnis der Armenier.

Venezianisches Altarbild

Das besonders wertvolle Altarbild des Heiligen Gregor des Erleuchters entstand 1752 in Venedig. Daneben steht eine reich verzierte barocke Kanzel.

Kreuzweg

In den Innennischen der Ringmauer sind Reliefs und Gemälde aus der Zeit um 1750 zu sehen — eines der eindringlichsten Kunsterlebnisse der Kirche.

Kirchturm und Panorama

Der barocke Turm beherrscht die Silhouette der Umgebung. Von oben überblickt man das gesamte Gheorgheni-Becken, die umliegenden Berge und die roten Dächer der Stadt. Im Inneren hängen mehrere Glocken.

Die große Glocke

Unter den Glocken des Turms wurde die große Glocke Mitte des 19. Jahrhunderts gegossen. Ihr Klang ist der unverwechselbare Klang der Stadt.

Armenisches Kunstfestival

Einmal jährlich findet in der Stadt ein armenisches Gastronomiefestival statt — dann ist auch der Kirchturm für die Öffentlichkeit zugänglich.

Siebenhundert Jahre alte Handschriften und Bücherraritäten

Die Pfarrbibliothek ist eine wahre Goldgrube, deren Bestand erst vor Kurzem von Forschern erschlossen wurde. Drei herausragende Stücke:

Surkhat-Evangeliar (1354)

Der Einband dieser 1354 entstandenen Handschrift ist das kostbarste Stück der Bibliothek. Surkhat (heute Staryj Krym) war einst ein blühendes armenisches Zentrum auf der Halbinsel Krim. Die Handschrift ist fast 700 Jahre alt — sie kann jederzeit in der Pfarrei besichtigt werden!

Astvatsashunch von 1666

Die erste gedruckte Heilige Schrift in armenischer Sprache — 1666 in Amsterdam erschienen. Ein Exemplar wird hier aufbewahrt. Der Originalname — „Astvatsashunch" — bedeutet nicht „Heilige Schrift", sondern „Atem Gottes". Die Jahreszahl in armenischen Buchstaben: 1115 (die armenische Zeitrechnung ist um 551 Jahre versetzt).

Direktorium von 1824

Eine Publikation zur Ordnung der liturgischen Riten. Eine Besonderheit: Sie nennt die Namen der 4 siebenbürgisch-armenischen Städte: Jeghiszapetupolisz, Gerla, Dzsurzsov und Szipviz.

Die „armenische Morgenfrühe", Hurut und die Rotmäntel

Die „armenische Morgenfrühe"

Die Armenier waren Händler. Im Morgengrauen kauften sie den gesamten Markt der lokalen Erzeuger leer, sodass der „gewöhnliche" Städter beim Einkauf nur noch Armenier antraf — die die Waren zum zwei- bis dreifachen Preis weiterverkauften. Daher kommt der Ausdruck.

Hurut-Suppe

Das bekannteste armenische gastronomische Erbe Siebenbürgens. Hurut: Geronnene Milch wird über mehrere Wochen täglich gerührt, dann mit Petersilienblättern vermengt, gekocht und abgetropft. Die Suppe heißt Aganjabur — „Ohrensuppe", denn die Teigeinlage erinnert an kleine Ohren.

Die Rotmäntel

Einst Mitglieder der Burschenbruderschaft, heute sind sie Pfarrgemeinderäte. Der Überlieferung nach schützten sie während der Wanderungen den Priester und das Allerheiligste — eine Art Wachtruppe. Eine Besonderheit: Diese Rolle besteht ausschließlich in Gheorgheni, sonst nirgendwo in der armenischen Welt.

Kaufleute und Bankgründer

Die Armenier trugen maßgeblich zur Verbürgerlichung von Gheorgheni bei. Sie gründeten die erste Sparkasse und später die Bank der Stadt sowie später auch in den umliegenden Dörfern (z. B. Joseni).

Das Geheimnis der armenischen Familiennamen

In der Stadt heißt es: Am Namen erkennt man, wer Armenier ist und wer nicht — und das funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Drei Kategorien:

1 Übernommene ungarische Namen — im Zuge der Magyarisierung angenommen
2 Klanglich magyarisierte Namen — die ungarische Lesart des Originalnamens
3 Ungarisierung moldauisch-rumänischer Namen — Erbe des Aufenthalts in der Moldau

Vom Mercantiel Forum bis zur Schließung der Schule

Die hiesigen Armenier besaßen Autonomie — sie hatten ein eigenes Beschlussorgan, das Mercantiel Forum, dessen Verhandlungssprache Armenisch war.

1799

Das letzte armenischsprachige Jahr

In diesem Jahr fand das Mercantiel Forum noch in armenischer Sprache statt. Ab Anfang 1800 ging man zum Ungarischen und zur lateinischen Schrift über — von hier datieren wir das Aufgeben der Sprache.

1888

Schließung der armenischen Schule

Der letzte institutionelle Schritt — mit der Schließung der armenischen Schule kam die Sprache endgültig außer Gebrauch. Heute lebt sie noch in der Liturgie in ihrer altarmenischen Form weiter.

Berühmte Persönlichkeiten armenischer Herkunft

Die Armenier sind eine erfinderische Nation. Sie erfanden den ersten Geldautomaten und auch die diagnostische Magnetresonanztomographie.

Weltweit bekannt

Avadis Tevanian Leitender Software-Entwickler bei Apple zur Zeit des ersten iPhone
Krekor Krekorian Gründer der MGM Studios — Besitzer des „brüllenden Löwen"
Andy Serkis Stimme und Mimik Gollums aus Der Herr der Ringe — armenischer Herkunft
Armen Tamzarian Schuldirektor Seymour aus den Simpsons — in Wahrheit eine armenische Figur

Ungarische und rumänische Armenier

Gergely Pongrátz Oberbefehlshaber in der Corvin-Gasse während der Ungarischen Revolution 1956 — aus einer armenischen Familie aus Gherla
Gyula Czárán „Vater des ungarischen Tourismus" — wirkte im Bihor-Gebirge, väterlicher- wie mütterlicherseits armenischer Abstammung
Garabet Ibrăileanu Berühmter rumänischer Literat und Kritiker — geboren in Târgu Frumos in der Moldau
Spiru Haret Schöpfer des modernen rumänischen Schulwesens — ehemaliger Unterrichtsminister

Nützliche Hinweise

Erreichbarkeit

  • Adresse: Armenische-Kirche-Straße 1
  • Telefon: +40 266 361 517
  • Pfarramt: Petőfi-Sándor-Platz 4
  • GPS: 46.7247° N, 25.6059° O

Öffnungszeiten

  • Während der Gottesdienste geöffnet
  • Das Äußere ist jederzeit zugänglich
  • Sonntags: Heilige Messe im armenischen Ritus
  • Turm: während des Festivals oder nach Voranmeldung

Was sich lohnt

  • Venezianisches Altarbild (1752)
  • Barocke Kanzel
  • Kreuzweg an der Ringmauer
  • Turmpanorama über das Becken
  • Surkhat-Evangeliar (1354)

Tipp

  • Armenisches Gemeindehaus an der Pfarrei
  • Jährliches Gastronomiefestival
  • Lerne ein armenisches Wort: „hadzso" = Hallo
  • „Shorhagalutjun" = danke
🧭

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