Lacul Roșu (Roter See)
Geboren aus einem Sommergewitter von 1837 — dort, wo eine Bergflanke abrutschte und das Wasser von fünf Bächen einen versunkenen Fichtenwald einschloss.
Rumäniens größter natürlicher Stausee im Herzen des Hășmaș-Gebirges.
Quelle: visitharghita.com
Siebenbürgens „jüngster" See — gerade einmal 188 Jahre alt
Der Lacul Roșu (ungarisch Gyilkos-tó, „Mörder-See"; deutsch Roter See) ist eines der eindrucksvollsten Naturwunder der Ostkarpaten. Ein natürlicher Stausee im Hășmaș-Gebirge, im Nordosten des Kreises Harghita — von beachtlicher Größe, aber relativ jung: Er entstand im Sommer 1837.
Über dem See ragt von Norden her der 1344 Meter hohe Fels des Suhardul Mic (Klein-Cohard) empor, umgeben von den marmorweißen Kalksteingipfeln des Hășmaș-Gebirges: Suhardul Mare, Vârful Licaș und der Mörderberg (Ghilcoș) selbst. Bis heute ragen die abgebrochenen Stämme des versunkenen Fichtenwaldes aus dem See — dieser bewegende Anblick verleiht dem See seinen einzigartigen Charakter.
Verwaltungstechnisch gehört das Gebiet zur Stadt Gheorgheni — einschließlich des beliebten Ferienorts Lacu Roșu am Ufer. Der See selbst liegt im Nationalpark Cheile Bicazului–Hășmaș (Bicaz-Klamm–Hășmaș).
Der Lacul Roșu und der darüber aufragende Fels Suhardul Mic · visitharghita.com
Ein Gewitter, das einen See gebar
Im Sommer 1837 stürzte der an der Flanke des Berges Ghilcoș (1378 m) angesammelte tonige Hangschutt infolge starker Regenfälle ins Tal hinab. Er prallte gegen den südöstlichen Fuß des Suhard und versperrte mit einem Schlag den Lauf von fünf Bächen.
Sommer 1837
Es war ein regenreiches Jahr; Ende Juli zogen riesige, dunkle Wolken aus dem Osten heran. Der Wolkenbruch dauerte tagelang — mit Donner und Blitzen — bis die Bergflanke nicht mehr standhielt und abstürzte.
Fünf Bäche aufgestaut
Der Erdrutsch versperrte gleichzeitig die Bäche Suhard, Licaș, Vereskő (Roter Stein), Lóhavas und Schafsbach. Das gesammelte Wasser füllte das neue Becken in nur wenigen Wochen.
Der versunkene Wald
Das Wasser überflutete einen ganzen Fichtenwald. Rinde und Wurzeln der Fichten blieben im Schlamm dauerhaft erhalten, ihre Stämme ragen bis heute aus dem Wasser — der charakteristischste Anblick des Sees.
„Bei dieser Gelegenheit stürzten auch die beiden vom Wasser durchnässten und auf ihrem dünnen Boden abgerutschten Bicazer Berge in den Hochlagen von Gheorgheni ein; der dort abfließende Bach wurde aufgestaut, und so entstand der Lacul Roșu."
— Ditrói Puskás Ferencz: Geschichte von Borsec
Eszter und die Rache der Berge
Eine der schönsten Liebesgeschichten der siebenbürgischen Sagenwelt ist mit der Entstehung des Sees verbunden — die Geschichte eines schönen Mädchens aus Gheorgheni, Fazekas Eszter.
Bootsfahrer auf dem See · lokale Quelle
Eszter lernte auf dem Markt von Gheorgheni einen mutigen, geschickten Burschen kennen, in den sie sich verliebte. Doch sie konnten nicht heiraten — der Bursche wurde zum Soldaten genommen und kehrte lange nicht heim.
In jenen Tagen lebte in den Gheorgheni-Bergen ein gefürchteter Räuber, der das Tal in Schrecken hielt. Der Schurke erblickte Eszter und wollte sie entführen. Das Mädchen floh in die Berge, und als es nirgendwohin mehr fliehen konnte, rief sie in ihrer Verzweiflung die Berge zu Hilfe.
Die Berge hörten den Schrei. Ein gewaltiges Unwetter, Donner und ein Erdbeben antworteten — die Flanke des Berges Ghilcoș erbebte und stürzte ins Tal hinab. Der Räuber wurde unter ihr begraben… doch auch Eszter kam ums Leben. Zu ihrem Gedenken nannte das Volk den im Wasser verborgenen See den „Mörder-See" (Gyilkos-tó).
Das schrumpfende Wunder — könnte bis 2080 verschwinden
Der Lacul Roșu ist nicht ewig: Die einmündenden Bäche füllen ihn mit Geröll und Sedimenten. Luftaufnahmen belegen, dass er in den vergangenen Jahrzehnten sichtbar geschrumpft ist.
Die erste Vermessung durch Ferenc Herbrich
Der See wurde erstmals 1859 von Ferenc Herbrich vermessen — seine Fläche betrug 56 Kataster-Joch, also etwa 32 Hektar.
Klassische Ausmaße
Umfang: 3090 m · Fläche: 126 340 m² · Wasservolumen: 680 000 m³ · maximale Tiefe: 10,5 m. Zufluss aus den Zubringerbächen: 1–1,5 m³/Min.
Rückläufiger Trend
Der Umfang ging auf 2800 m zurück, die Fläche auf 114 676 m², das Volumen auf 587 500 m³, die maximale Tiefe auf 9,7 m. In 30 Jahren verlor er fast 1 Meter an Tiefe.
Das vollständige Verschwinden des Sees?
Laut Daten von 1968 verschlammt der See um 4,88 cm pro Jahr. Ohne menschliches Eingreifen könnte der Lacul Roșu bis 2080 vollständig verschwinden. Zwei Geschiebesperren versuchen, den Prozess zu verlangsamen, sind aber bereits veraltet.
Der See in Bildern
Bildquellen: visitharghita.com · lokale Quellen
Bevor du aufbrichst
Was kannst du sehen?
- Die aus dem Wasser ragenden Fichtenstämme
- Anblick von Suhardul Mic und Berg Ghilcoș
- Bootfahren möglich (im Sommer)
- Rundweg um den See (~30 Min.)
- Ferienort Lacu Roșu
Beste Reisezeit
- Ganzjährig zugänglich
- Herbst: farbenprächtigster Anblick
- Sommer: Bootfahren, längere Wanderungen
- Winter: schneeweiße, stille Stimmung
- Frühling: frisch ergrünende Wälder
Anfahrt
- Von Gheorgheni: 29 km über die Nationalstraße 12C
- Von Miercurea Ciuc: 91 km
- Von Toplița: 71 km
- GPS: ~46.7944° N, 25.7986° O
- Parkplatz am Ufer (gebührenpflichtig)
Wandermöglichkeiten
- Spaziergang um den See (familienfreundlich)
- Klettersteig Suhardul Mic (für Fortgeschrittene)
- Bicaz-Klamm (10 km entfernt)
- Gipfel Hășmașul Mare (1792 m)
- Panoramaweg zum Vârful Licaș
Wusstest du?
Der rumänische Name Lacul Roșu (Roter See) ist seit 1936 offiziell. Die rötliche Farbe stammt vom eisenoxidreichen Ton, den der Bach Vereskő (Roter Stein) mit sich führt, und wird durch die roten Felsen des Suhard-Bergs verstärkt.
Die aus dem Wasser ragenden Fichtenstämme sind ein einzigartiges Phänomen in der rumänischen Gewässerlandschaft. Die erhaltenen Stämme sind über 180 Jahre alt — ihre Wurzeln unter Wasser verhindern das Eindringen von Sauerstoff und konservieren so das Holz.
Manche bringen die Entstehung des Sees nicht mit den Sommergewittern von 1837, sondern mit dem Erdbeben vom 11. Januar 1838 in Verbindung. Der Streit zwischen beiden Erklärungen ist bis heute nicht entschieden — wahrscheinlich haben beide zum Abrutschen der Bergflanke beigetragen.
Der See ist kein völlig stehendes Gewässer: 1–1,5 m³ Wasser fließen pro Minute zu, und der Bicaz-Bach leitet den Überschuss ab — von hier aus läuft das Wasser durch die berühmte Bicaz-Klamm zum Bicaz-Fluss.
Verwandte Sehenswürdigkeiten
Bicaz-Klamm
Hier fließt das Wasser des Sees ab — zwischen 200 Meter hohen Felswänden in eine dramatische Felslandschaft
Hășmaș-Gebirge
Die rund um den See aufragenden Marmor-Kalkstein-Gipfel — Hășmașul Mare, Suhard, Vârful Licaș
Gheorgheni
Die Heimatstadt des Sees — Siebenbürgens Outdoor-Hauptstadt mit reicher armenisch-szeklerischer Kultur