Die Geschichte von Borsec
Von Sigismund Báthory bis Franz Joseph — über zweihundert Jahre Geschichte der „Königin der siebenbürgischen Mineralwasser",
von den königlichen Höfen bis in unsere Tage.
Von der Entdeckung bis zu den ersten Mineralwasserkuren
Die Lage von Borsec — in einem romantischen, kühlen Tal auf 882 m Höhe, in der nordöstlichen Ecke Siebenbürgens, nahe der moldauischen Grenze — war schon vor Jahrhunderten ein zauberhafter Ort. Über die Gegend kursieren mehrere Legenden, wer den Hauptbrunnen entdeckt hat.
📜 Schriftlichen Erwähnungen zufolge taucht Borsec im Jahr 1700 erstmals in Dokumenten auf, obwohl seine Quellen schon früher bekannt waren. Es kursieren auch Geschichten, dass Fürst Sigismund Báthory (1572–1613) selbst das Heilwasser nutzte — in den 1590er Jahren ließ er es in Eichenfässern an seinen Hof in Alba Iulia (Karlsburg) bringen, um seine Gicht zu behandeln.
🏛️ Eine weitere beliebte Überlieferung besagt, dass Graf Dénes Bánffi bei einer Jagd auf die Hauptquelle stieß.
⛪ Bereits 1745 standen in Borsec eine Kapelle und einige Badehäuser, errichtet vom Gerichtsstuhl Gyergyó, später jedoch abgerissen.
👥 Im Jahr 1760 besuchten bereits über 40 Gäste die Quellen.
🏗️ Die ersten ernsthaften Bauarbeiten begannen 1764 auf Initiative des hier stationierten Grenzwächterregiments sowie der Gemeinden Ditrău und Lăzarea (Szárhegy).
📋 1825 gehörte Borsec zu den beiden Gemeinden und wurde im Rahmen eines Vertrags weiter ausgebaut: Es entstanden eine Quelle, 2 Bäder, 17 Privatvillen und 3 Militärgebäude.
Hétvezér-Promenade — die Hauptstraße von Borsec · lokale Quelle
1803 — Analyse der Wiener Medizinischen Fakultät
🔬 Die erste wissenschaftliche chemische Analyse des Hauptbrunnens wurde 1803 von der Wiener Medizinischen Fakultät durchgeführt. Dies war der erste amtliche Nachweis der Heilwirkung des Borsecer Wassers — eine echte Anerkennung auf internationaler Ebene.
📜 Dr. Vilmos Hankó, der bedeutende Chemiker seiner Zeit, beschrieb die Quelle so:
„Im wörtlichen Sinne ist es mit Kohlensäure übersättigt."
👨⚕️ 1822 bestätigte die Wiener Medizinische Fakultät die Heilkraft des Wassers auch amtlich. Nachdem Fachleute das Wasser der Borsecer Quellen anerkannt hatten, stand seinem europaweiten Ruhm nichts mehr im Wege — und es wurde Königin der siebenbürgischen Mineralwasser genannt.
1806 — Der Beginn der Glasflaschen-Abfüllung
🏭 Das Jahr 1806 ist ein Wendepunkt in der Geschichte von Borsec — damals begann der Wiener Unternehmer Anton Zimmethausen mit der Glasflaschen-Abfüllung des Mineralwassers. Zuvor — seit dem 16. Jahrhundert — wurde das Wasser in Tonkrügen nach Siebenbürgen, in die Moldau und nach Ungarn transportiert.
🍷 Im selben Jahr wurde in Borsec eine Glashütte gegründet — eine Investition der Familie Lázár. Die Glashütte in Unter-Borsec umfasste das Verwaltungsbüro, die Wohnungen der Arbeiter und Angestellten sowie den riesigen Kohlengas-Ofen, in dem das Glas geschmolzen wurde.
📊 Explosionsartiges Wachstum:
📦 1899 wurden jährlich 3 Millionen Flaschen Wasser aus dem Hauptbrunnen abgefüllt! Das Mineralwasser eroberte nicht nur Europa, sondern auch den Fernen Osten und den Westen.
💼 Borsec war nicht nur ein Kurort, sondern auch ein Industriestandort. Die Glashütten-Arbeiter — vor allem deutsche, tschechische und polnische Fachleute — siedelten sich in Unter-Borsec an.
🏷️ Auch eine Druckerei wurde für die Herstellung der Etiketten eingerichtet. Das Borsecer Wasser nahm in den 1880er Jahren an mehreren Weltausstellungen teil, wo es zahlreiche Preise und Anerkennungsurkunden errang.
1873 — Die Goldmedaille von Franz Joseph
👑 Der größte Augenblick in der Geschichte Borsecs war 1873 — die Wiener Weltausstellung. Unter dem Motto „Das ausstellende Österreich lädt die ganze Welt ein!" versammelten sich 4 700 Aussteller aus Europa, Asien, Afrika und Nordamerika.
🏆 Auf dieser Weltausstellung wurde das Borsecer Wasser von Kaiser Franz Joseph und König von Ungarn persönlich mit der Goldmedaille ausgezeichnet und als „Königin der Mineralwasser" bezeichnet. Dieser Titel wurde zum internationalen Markenzeichen Borsecs.
🌍 In den 1880er Jahren nahm das Borsecer Wasser an zahlreichen Weltausstellungen teil und gewann weitere Preise. Auch ein Stipendiensystem war in Betrieb: Géza Mezey konnte in Wien Bäderheilkunde studieren, um nach seiner Heimkehr die Borsecer Bäderkultur weiterzuentwickeln.
🎉 Das damalige Borsec war einer der elegantesten Ferien- und Kurorte der Habsburgermonarchie — mit prächtigen Badehäusern, Restaurants, einem Ballsaal und Musikpavillons, mit lebhaftem gesellschaftlichen Leben.
🇲🇩 Unter den Gästen befanden sich moldauische Bojaren und europäische Aristokraten. In der Saison von Juli bis August pulsierte das Leben — Orchester, Bälle, Theateraufführungen.
Das moderne Erbe der Borsecer Bäderkultur · lokale Quelle
Die „Strumpfträger" und die „Zipser" — Ober- und Unter-Borsec
🏘️ Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es wegen der Abfüllanlage zu einer bedeutenden Einwanderung von Glasbläsern nach Borsec — vor allem aus deutsch-, tschechisch- und polnischsprachigen Gebieten. Diese Handwerker wurden „Zipser" genannt (nach dem deutschen Volksnamen Zipser).
👖 Ethnographische Unterscheidung:
👞 In Ober-Borsec lebten die „strumpftragenden" Szekler — also die Einheimischen, die die traditionellen szeklerischen Tuchstrümpfe trugen.
👔 In Unter-Borsec dagegen lebten die „hosentragenden Zipser" — die Glasbläser, Kohlenbergleute und fremden Handwerker.
🤝 Anfangs schotteten sich die einheimische und die eingewanderte Bevölkerung voneinander ab — der Unterschied in der Tracht zeigte die gesellschaftliche Grenze deutlich.
⛪ Mit der Zeit vermischten sie sich jedoch und heirateten untereinander — dazu trug der gemeinsame katholische Glaube wesentlich bei. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren sie vollständig in die szeklerische Gemeinschaft integriert.
📚 Heute erinnern nur noch die Familiennamen — Schroth, Müller, Weiss, Schmidt, Bartos, Novak — an ihre fremde Herkunft. Diese multikulturelle Vergangenheit verleiht dem Bild von Borsec eine besondere Farbe.
1896 — Eigenständige Verwaltung
📋 Borsec war bis Ende des 19. Jahrhunderts keine eigenständige Verwaltungseinheit — bis 1896 gehörte es zu Ditrău. Erst dann erlangte es seine Eigenständigkeit, und auch das Standesamtsregister wird seit 1896 geführt.
🏛️ Nach der Verselbständigung begann Borsec eine rasche Entwicklung. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die touristische Infrastruktur der Stadt voll ausgebaut:
🛁 Kaltbäder: Lobogó, Ó-Sáros, Új-Sáros
🔥 Bau des Warmbadhauses
⚡ Ein riesiges Maschinenhaus, das die Dampfkraft zur Beleuchtung der Bäder lieferte
🏥 Eine Kaltwasser-Heilanstalt mit freundlichem Pflegepersonal
🏨 Luxusrestaurants wie das Hotel Remény — mit einer Ausstattung, die damals als Luxus galt
📅 1953 erhielt Borsec offiziell den Rang einer „Kurstadt" — diesen Status hat es bis heute bewahrt.
Az Ó-Sáros-Bad — Borszék fürdőkultúrájának ikonja · helyi forrás
Das 21. Jahrhundert — neuer Weltruhm
2004 — Berkeley Springs (USA)
Beim amerikanischen Wettbewerb in Berkeley Springs gewann das Borsecer Wasser unter 100 Mineralwassern den Titel „bestes kohlensäurehaltiges Mineralwasser der Welt". Moderner Weltruhm!
2009 — Gemeinschaftsbau Feengarten
Unter der Leitung der Stiftung Ars Topia und von Ágnes Herczeg errichteten über 70 ungarische Studenten gemeinsam mit Einheimischen das Volksbad in nur 10 Tagen.
2012 — Wiedereröffnung des Ó-Sáros-Bads
Október 27-én ünnepélyesen újranyílt az Ó-Sáros-Bad — Mik József polgármester vezetésével. Új korszak Borszék fürdőváros életében.
Fontana Spa & Balneo
Ein modernes Wellness-Komplex von über 3000 m² — die Spitze des medizinisch-touristischen Angebots von Borsec. Mit über die rumänische Krankenkasse (CNAS) abrechenbaren Behandlungen.
Globaler Export
Mineralwasser der Marke „Borsec" ist heute auf den Märkten Europas, der USA, Australiens und der Vereinigten Arabischen Emirate präsent — der Weltruhm geht weiter.
Aktivtourismus
15 markierte Wanderwege, eine Skipiste, Via-Ferrata-Abenteuerparks — Borsec ist ein Reiseziel für alle vier Jahreszeiten.
Die wichtigsten Meilensteine von Borsec
Fürst Sigismund Báthory
Lässt das Mineralwasser in Eichenfässern an seinen Hof in Alba Iulia (Karlsburg) bringen, um seine Gicht zu behandeln.
Erste schriftliche Erwähnung
Borsec erscheint erstmals in schriftlichen Dokumenten.
Erste Kapelle und Badehäuser
Der Gerichtsstuhl Gyergyó lässt die ersten Gebäude errichten.
Erste größere Bauarbeiten
Eine gemeinsame Initiative des Grenzwächterregiments und der Gemeinden Ditrău–Lăzarea (Szárhegy).
Fassung des Hauptbrunnens
Die Ursprungsquelle des „Borsec" wird in einen Holzkasten gefasst.
Wiener chemische Analyse
Die erste wissenschaftliche Analyse durch die Wiener Medizinische Fakultät.
Beginn der Glasflaschen-Abfüllung
Gestartet von Anton Zimmethausen — die Glashütte der Familie Lázár.
Anerkennung durch die Wiener Medizinische Fakultät
Offizielle Anerkennung der Heilwirkung des Wassers.
Goldmedaille der Wiener Weltausstellung
Franz Joseph nennt es „die Königin der Mineralwasser".
Mehrere Weltausstellungs-Preise
Das Borsecer Wasser erhält zahlreiche internationale Auszeichnungen.
Eigenständige Verwaltung
Borsec löst sich von Ditrău — eigene Standesamtsregister.
3 Millionen Flaschen/Jahr
Der jährliche Wasserhandels-Rekord des Hauptbrunnens.
Entdeckung der Pierre-Curie-Quelle
Das wissenschaftliche Erbe des radioaktiven Heilwassers.
Rang einer Kurstadt
Borsec wird offiziell Kurstadt.
Berkeley Springs — Weltspitzenplatz
Der Titel „bestes kohlensäurehaltiges Mineralwasser der Welt".
Gemeinschaftsbau Feengarten
Beginn der bürgerschaftlichen touristischen Erneuerung.
Ó-Sáros-Bad újranyitása
Festliche Eröffnung durch Bürgermeister József Mik — 27. Oktober.
„Die Beschreibung des Szeklerlandes" über Borsec
„Kaum kann man sich eine schönere und in jeder Hinsicht interessantere Gegend vorstellen als die Umgebung von Borsec, als hätte die allmächtige Natur diesen Ort göttlicher Güte in einen Zaubergarten fassen wollen, um ihn nicht nur nützlich, sondern auch entzückend zu machen…"
— Balázs Orbán, „Die Beschreibung des Szeklerlandes"