Bicaz-Schlucht
Eine 5 km lange Straße zwischen 300 Meter hohen Kalksteinwänden —
vom Höllentor bis zum Höllenschlund: eine der Naturraritäten Europas im Hășmaș-Gebirge.
Forrás: visitharghita.com
Eine tektonische Schlucht im Herzen des Hășmaș-Gebirges
Die Bicaz-Schlucht (ungarisch Békás-szoros) ist eine Schlucht tektonischen Ursprungs im Hășmaș-Gebirge, an der Grenze zwischen Siebenbürgen und der Moldau — im Tal des Bicaz-Flusses. Das Wasser hat sich über Jahrmillionen seinen Weg durch den Kalkstein gebahnt und so die längste und schönste Schlucht der Ostkarpaten geschaffen.
Die Schlucht ist seit 1971 Naturschutzgebiet und Teil des Nationalparks Cheile Bicazului–Hășmaș. Sie zählt zu den Naturraritäten Europas: die gewundene Asphaltstraße schlängelt sich zwischen fast senkrechten Kalksteinwänden von 200 bis 300 Metern Höhe. Das überraschendste Bild: Die Felsen wenden sich fast überall mit ihrer senkrechten Seite dem Bett des Bicaz zu.
Die Schlucht wird von vier ikonischen Gipfeln eingerahmt: Suhardul Mic (1344 m), Făgetul Ciucului (1264 m), Altarstein — Piatra Altarului (1154 m) und Marienstein — Piatra Mariei (1125 m). Sie liegt nur 5 km nordöstlich des Roten Sees — die beiden Ziele gehören zum Standardprogramm jeder Siebenbürgenreise.
Die gewundene Straße der Schlucht aus der Vogelperspektive · visitharghita.com
Vom Höllentor bis zum Höllenschlund
Früher verglich man die Durchquerung der Bicaz-Schlucht mit einem „Abstieg in die Hölle" — daher die dramatischen Namen der drei Abschnitte.
Höllentor
Die engste Stelle der Schlucht, wo sich Piatra Mariei und die Bardóc-Wand bis auf wenige Meter nähern. Hier beginnt der eigentliche Nervenkitzel — von hier schlängelt sich die Serpentinenstraße weiter hinab in die Schlucht.
Höllenvorhalle
Der etwas breitere mittlere Abschnitt, abgeschlossen vom Felsen Schwarzer Turm. Hier spürt man die Höhe am stärksten — der dramatische Kontrast zwischen den fichtenbewachsenen Hängen und den senkrechten Kalksteinwänden.
Höllenschlund
Der spektakulärste Teil der Schlucht, wo der Bach Bicăjel einmündet. Rechts der Schluchtfelsen, links der Bardóc-Sims — dieses Panorama ist der beliebteste Fotoplatz der Touristen.
Die Gipfel rund um die Schlucht
Die Bicaz-Schlucht liegt im Kranz von vier ikonischen Kalksteingipfeln. Jeder verleiht der Landschaft einen eigenen Charakter — und jeder ist ein Paradies für Kletterer.
Der westliche Wächter der Bicaz-Schlucht, der zugleich über dem Roten See aufragt. Hier verläuft die berühmte Via ferrata Suhardul Mic, eine fast 200 Meter lange Route zum Gipfel — die Flaggschiff-Attraktion der Initiative „Outdoor-Hauptstadt Siebenbürgens".
Den wildesten Abschnitt der Schlucht — die Strecke zwischen dem Kleinen Schluchtfelsen und Făgetul Ciucului — halten viele für den monumentalsten Teil der gesamten Bicaz-Schlucht. Die Felsen ragen hier nahezu perfekt senkrecht über der Straße auf.
Der auffälligste Felsturm der Bicaz-Schlucht. Klar abgesetzt von seiner Umgebung, beherrscht er das Schluchttal. Zum Gipfel führen die schönsten Kletterrouten der Bicaz-Schlucht — eines der beliebtesten Kletterziele Europas.
Einer der Wachtturm-Gipfel des Höllentors. Die Nähe von Piatra Mariei zur gegenüberliegenden Bardóc-Wand bildet die engste Stelle der Schlucht — hier liegt zugleich die größte Karstquelle der Schlucht, die Marienquelle.
Wasserfälle, Höhlen und Karstquellen
Wer nur über die Hauptstraße fährt, übersieht leicht die verborgenen Perlen der Bicaz-Schlucht. Die Schluchten der Nebenbäche, die Höhlen und Wasserfälle bergen eine eigene Welt.
Lapoș-Wasserfall
Am westlichen Fuß der Piatra Altarului bildet der Lapoș-Bach einen 25 Meter langen, dreistufigen Wasserfall. Er stürzt durch die Lapoș-Schlucht herab und schafft dabei mehrere kleinere Wasserfälle.
Bernard- und Schneeglöckchen-Höhle
Zwei Karsthöhlen im unteren Teil der Șugău-Schlucht. Bei Trockenheit begehbar — in die Schneeglöckchen-Höhle gelangt man jedoch nur kriechend, auf den Knien.
Marienquelle
Die größte Karstquelle der Schlucht, am Fuß der Piatra Mariei. Ihr kristallklares Wasser tritt aus der Tiefe des Kalksteins hervor — von den Einheimischen seit Urzeiten als heiliger Ort verehrt.
Endemische Pflanzen der Bicaz-Schlucht
Die Lebenswelt der Kalksteinfelsen und Fichtenwälder · lokale Quelle
Die Bicaz-Schlucht ist nicht nur eine geologische, sondern auch eine biologische Besonderheit. Auf den Kalksteinfelsen wachsen artenreiche, seltene und endemische Pflanzen.
Am besonderssten ist der Bicaz-Tragant (Astragalus pseudopurpureus) — er kommt weltweit ausschließlich hier vor, nur auf diesen wenigen Quadratkilometern. Ein echtes „lebendes Fossil", dessen Erhalt zu den Hauptaufgaben des Nationalparks zählt.
Daneben wachsen Bergsandkraut und das geschützte Edelweiß — Letzteres ist in den Karpaten fast überall geschützt, hier gilt das Pflückverbot jedoch besonders streng. Die steilen Hänge sind von Fichtenwäldern bedeckt, soweit das Auge reicht.
Die Schlucht in Bildern
Bildquellen: visitharghita.com · lokale Quellen
Bevor du aufbrichst
Was du sehen kannst
- 200–300 m hohe Kalksteinwände
- Höllentor, Höllenvorhalle und Höllenschlund
- Felsturm Piatra Altarului (1154 m)
- Lapoș-Wasserfall (dreistufig)
- Bernard- und Schneeglöckchen-Höhle
Beste Reisezeit
- Ganzjährig besuchbar
- Frühling–Sommer: aktivste Wasserfälle
- Sommer (Juli–August): Spitzenverkehr!
- Herbst: wunderschöne Farben
- Winter: frischer Schnee, stille Schlucht
Anfahrt
- Von Gheorgheni: 35 km auf der DN12C
- Vom Roten See: 5 km nordöstlich
- Von Piatra Neamț: 28 km westlich
- GPS: ~46.8170° N, 25.8500° O
- Parkplätze sind knapp — komme früh!
Achtung
- Eine stark befahrene Hauptstraße führt hindurch
- Auch Lkw und Busse verkehren hier
- Achte auf Fußgänger — und sei selbst zu Fuß vorsichtig!
- An den Marktständen ist meist viel los
- Klettern: nur mit entsprechender Vorbereitung!
Wusstest du schon?
Die endemische Pflanze der Bicaz-Schlucht, der Bicaz-Tragant (Astragalus pseudopurpureus), kommt weltweit nur hier vor — nirgendwo sonst auf der Erde. Sie zählt zu den wertvollsten biologischen Schätzen des Hășmaș-Gebirges.
An der engsten Stelle ist die Schlucht nur 6–8 Meter breit. Der Spalt zwischen den Felswänden ist so schmal, dass beide Seiten fast „zum Greifen nah" wirken — besonders am Höllentor.
Das Wasser des Bicaz-Flusses entspringt dem Roten See! Der See staute 1837 genau das Tal des Bicaz auf, und sein Überlauf fließt bis heute durch die Schlucht — weiter in die Bistrița und in den Bicaz-Stausee.
Die asphaltierte Straße durch die Bicaz-Schlucht ist eine Nationalstraße — hier verläuft die DN12C, die Siebenbürgen mit der Moldau verbindet. Die Marktstände der Szekler aus Corund am Straßenrand sind Überreste einer jahrhundertealten Handelstradition.
Verwandte Sehenswürdigkeiten
Roter See
Von hier kommt das Wasser der Schlucht — ein durch einen Erdrutsch 1837 entstandener Stausee, nur 5 km entfernt
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Die Marmor-Kalkstein-Gipfel rund um die Schlucht — Piatra Altarului, Piatra Mariei, Făgetul Ciucului, Suhardul Mic
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Das westliche Tor zur Schlucht — Outdoor-Hauptstadt Siebenbürgens, 35 km entfernt