Geschichte von Gheorgheni
700 Jahre schriftliche Geschichte · 3000 Jahre menschliche Präsenz

Geschichte von Gheorgheni

Von bronzezeitlichen Funden bis heute — die Geschichte der Szekler, der Armenier und
der Lázár-Grafen, die eine der faszinierendsten Regionen Siebenbürgens prägte.

3000 Jahre menschliche Präsenz 1332 erste urkundliche Erwähnung 1607 Marktrecht 1637 armenische Niederlassung

Frühe Geschichte — von der Bronzezeit bis 1607

Das Becken von Giurgeu war bereits vor 3000 Jahren bewohnt — das belegen die bronzezeitlichen Funde auf der Terrasse unterhalb von Magasbükk. Die erste Siedlung entstand am Békény-loka, doch die eigentliche Besiedlung der Region begann erst nach dem Mongolensturm von 1241, als die vor den Tataren fliehenden Szekler hier Zuflucht fanden.

um 1000 v. Chr.

Bronzezeitliche Funde

Die auf der Terrasse unterhalb von Magasbükk entdeckten bronzezeitlichen Funde belegen, dass die Region bereits vor 3000 Jahren bewohnt war. Die erste Siedlung lag am Békény-loka.

1241

Wiederbesiedlung nach dem Mongolensturm

Die nach dem Mongolensturm flüchtenden Szekler fanden im Becken von Giurgeu Zuflucht. Die Siedlung wurde damals neu gegründet — in der Mitte des 13. Jahrhunderts.

1285

Szekler von Csík und Giurgeu

Die Szekler von Csík und Giurgeu wurden erstmals 1285 erwähnt — im Zusammenhang mit der Schlacht von Tarkő gegen die Tataren.

1332

Erste urkundliche Erwähnung

Das päpstliche Zehntregister nennt drei Giurgeu-Siedlungen: Szentmiklós, Alfalu und Szárhegy (Lăzarea). Die Kirche — dem heiligen Nikolaus geweiht — stand bereits zuvor; 1332 wird ein Pfarrer namens Nikolaus erwähnt.

15. Jh.

Stuhl Giurgeu unter König Matthias

König Matthias Corvinus erhob als Erster Giurgeu zum Mutterstuhl der Szekler, getrennt von Csík. Die Szekler besaßen adlige Rechte, eigenes Land und waren in der Regel von Steuern befreit — im Gegenzug mussten sie im Kriegsfall Wehrdienst leisten.

Anfang 16. Jh.

Aufstieg der Familie Lázár

Die Familie Lázár erwarb bedeutende Güter in Csík und Giurgeu. Lange Zeit leiteten sie den Szekler-Stuhl und übten weitreichenden politischen Einfluss in der Region aus.

1562

Großer Szekler-Aufstand

Die Szekler erhoben sich gegen die Beschneidung ihrer angestammten Rechte gegen Johann II. von Ungarn (den späteren Fürsten Johann Sigismund), der den Aufstand mit seinen Truppen grausam niederschlug. Die am Aufstand beteiligten gemeinen Szekler wurden in die Leibeigenschaft gestoßen — der Großteil der Einwohner von Gheorgheni wurde fortan zu Leibeigenen der Lázár-Grafen.

1567

Besitzstruktur

Laut einer Konskription von 1567 lebten in Gheorgheni neben 10 freien Szekler-Hofstellen 78 Leibeigenenfamilien — was die schweren Folgen des Aufstandes von 1562 verdeutlicht.

1599

Loskauf

Die in die Leibeigenschaft gestoßenen Szekler konnten sich erst 1599 loskaufen. Sigismund Báthory, Fürst von Siebenbürgen, gab in seinem Freiheitsbrief vom 31. Dezember 1601 die alten Freiheitsrechte zurück.

1607

Marktrecht

Fürst Sigismund Rákóczi verlieh Gheorgheni das Marktrecht — dies war der Beginn der Verstädterung. Das Marktrecht ebnete den Weg zur Stärkung der Handelsfunktion, die mit der armenischen Niederlassung von 1637 ihren Höhepunkt erreichte.

Die Herkunft des Namens „Gyergyó"

Der Zusatz „Szent Miklós" (heiliger Nikolaus) stammt vom Schutzpatron der Kirche. Die Herkunft des Wortes „Gyergyó" ist umstritten: Einige leiten es vom ungarischen Verb „gurog (görög)" ab, andere vom Namen des Flusses György („Gyergyjó"). Eine weitere Überlieferung führt es auf den Ausruf der ersten Siedler („Jer! Jó!" — „Komm! Es ist gut!") zurück. Die plausibelste Erklärung leitet es vom Namen des heiligen Georg ab.

Armenische Niederlassung — von 1637 bis heute

In der Mitte des 17. Jahrhunderts ließ sich mit Unterstützung des siebenbürgischen Fürsten eine bedeutende armenische Gemeinde in Gheorgheni nieder, die zum Motor des Handels- und Kulturlebens der Stadt wurde. Die Armenier kamen aus der Moldau und prägen das Stadtbild bis heute maßgeblich.

1637

Erste urkundlich belegte Armenier

Die ersten urkundlich belegten armenischen Brüder — Hörtz Azbej und Vartik — treffen in Giurgeu ein. Über die Karpaten gelangten sie häufig auf den örtlichen Markt und handelten in der Stadt. In dieser Zeit verfestigt sich auch der „Friedhof der Fremden".

1668

Massenniederlassung

Mitte des 17. Jahrhunderts — unter der Herrschaft des siebenbürgischen Fürsten Michael Apafi — kommen mehrere hundert armenische Familien aus der Moldau nach Giurgeu. Diese Menschen suchten Zuflucht vor politischer Instabilität und Verfolgung.

1672

Niederlassungsrecht

Fürst Michael Apafi I. von Siebenbürgen gewährte den Armeniern das Niederlassungsrecht — damit war ihre Rechtsstellung in Siebenbürgen geregelt. Von da an wurde die armenische Gemeinde zum Handels- und Wirtschaftsmotor der Stadt.

1687

Union mit der katholischen Kirche

Die Armenier vereinigten sich mit der römisch-katholischen Kirche unter Beibehaltung ihres eigenen Ritus. So konnten sie eine eigene Pfarrei gründen und zugleich ihre armenischen liturgischen Traditionen bewahren — die altarmenische Sprache und den armenischen Ritus.

1717

Kirchengrundstück

Die Armenier kauften den „Friedhof der Fremden" samt einer kleinen Kapelle. Eine interessante Klausel: Sollten sie die Stadt verlassen, könnten sie den Kaufpreis nicht zurückfordern — ein Zeichen dafür, dass sie Giurgeu damals noch als vorübergehenden Aufenthalt betrachteten.

1730–1734

Die armenische Barockkirche

An der Stelle der gotischen Kapelle wird die heutige barocke Kirche Mariä Geburt errichtet. Sie wurde 1772 zu Ehren der Geburt der Jungfrau Maria geweiht. 1748 wurde sie mit einer mit Schießscharten versehenen Steinmauer und Basteitürmen befestigt.

1799

Das letzte Jahr des Mercantiel Forum

Die Armenier hier verfügten über Autonomie — sie hatten ein eigenes Entscheidungsgremium, das Mercantiel Forum, das bis 1799 in armenischer Sprache tagte. Ab Anfang 1800 wechselten sie zur ungarischen Sprache und zur lateinischen Schrift.

1884

Gründung des Csíky-Gartens

Der Rechtsanwalt Dr. Dénes Csíky armenischer Abstammung kaufte das Gelände rund um den Filep-Brunnen und begann mit dem Anlegen des 20 Hektar großen Arboretums. Der Garten wurde 1909 fertiggestellt und gehört bis heute zu den Schätzen der Stadt.

1888

Schließung der armenischen Schule

Der letzte institutionelle Schritt zur Magyarisierung — mit der Schließung der armenischen Schule geriet die Sprache endgültig aus dem Gebrauch. Heute lebt sie nur noch als altarmenische Liturgiesprache fort.

19. Jahrhundert

Bankgründung und Verbürgerlichung

Die Armenier gründeten die erste Sparkasse, später die erste Bank der Stadt und später auch in den umliegenden Dörfern (z. B. Joseni). Der Ausdruck „armenische Morgendämmerung" rührt von ihrer Gewohnheit her, früh am Markt einzukaufen. Die Armenier trugen entscheidend zur Verbürgerlichung von Giurgeu bei.

„In dieser Gegend leben zwei Sorten von Menschen: jene, die wissen, dass sie armenische Vorfahren haben, und jene, die es noch nicht wissen."

— Ein siebenbürgisches Sprichwort, das die tiefe Verwurzelung der Armenier im Leben der Stadt zum Ausdruck bringt

Berühmte Persönlichkeiten der Stadt

Gheorgheni hat Siebenbürgen und Ungarn zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten geschenkt — Politiker, Künstler, Wissenschaftler und Sportler. Viele von ihnen waren armenischer Abstammung und spielten eine herausragende Rolle in der Geschichte Siebenbürgens und der ungarischen Kultur.

In der Stadt geboren

Orel Dezső

1861 – 1923

Gemeinschaftsorganisator, Zeitungsredakteur und Jurist. Der erste Bürgermeister von Gheorgheni als Stadt mit geordnetem Rat.

Lázár István

geb. 1881

Schriftsteller, Dichter und Drehbuchautor — ein Akteur des siebenbürgischen Literaturlebens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Dr. Kónya István

1915 – 1958

Rechtsanwalt und Teilnehmer der von Aladár Szoboszlay geführten Bewegung. Wurde 1958 in Timișoara hingerichtet unter dem kommunistischen Regime.

Török István

geb. 2. Jan. 1924

Schauspieler — ein in Gheorgheni geborener Bühnenkünstler.

Bálint Erzsébet (Kostyákné)

geb. 1926

Musiklehrerin und Kunstpublizistin. Ihr Vater, Ákos Bálint, war ein halbes Jahrhundert lang römisch-katholischer Kantor des armenischen Ritus und Chorleiter des Gesangvereins.

Kónya István

geb. 1926

Museologe und naturkundlicher Fachautor. Dokumentator des volkskundlichen und naturkundlichen Erbes der Stadt.

Kolumbán József

geb. 1935

Mathematiker und Universitätsprofessor. Seit 2001 externes Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften — das wissenschaftliche Erbe der Stadt.

Bagossy Norbert

geb. 1990

Sänger der Band Bagossy Brothers Company — eine der populären Figuren der zeitgenössischen ungarischen Musik, der jüngere Stolz Gheorghenis.

Hier aufgewachsen und mit der Stadt verbunden

Marius Urzică

Hier aufgewachsen, wurde Rumäniens legendärer Turner

Olympiasieger, dreifacher Europameister und dreifacher Weltmeister im Gerätturnen. Sein Cheftrainer war József Ferencz — er wuchs in Gheorgheni auf und trainierte dort.

Joó Rózsi

Makó, 1900 — Gheorgheni, 1979

Eine Schauspielerin, die einen Großteil ihres Lebens hier verbrachte und 1979 hier verstarb. Eine der mit der Stadt verbundenen Künstlerinnen.

Die armenische Verbindung — weltberühmte Nachfahren

Die armenische Gemeinde von Gheorgheni ist Teil eines Familiennetzes, aus dem international bedeutende Persönlichkeiten stammen. Sie sind nicht alle in der Stadt geboren, doch sind sie sämtlich Nachfahren der siebenbürgisch-armenischen Gemeinde:

Czárán Gyula

1847 – 1906

„Der Vater des ungarischen Tourismus" — Wegebauer, Höhlenforscher und Ehrenmitglied des Siebenbürgischen Karpathenvereins. Er leistete vor allem im Bihor-Gebirge (Apuseni) Pionierarbeit. Sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits armenischer Abstammung.

Pongrátz Gergely

1932 – 2005

Oberkommandierender der Corvin-Passage in der Ungarischen Revolution 1956 („Bajusz"). Nachkomme einer armenischen Familie aus Gherla. Unter seinem Kommando vernichteten die Kämpfer der Corvin-Passage sowjetische Panzer.

Spiru Haret

Wende vom 19. zum 20. Jh.

Ein ehemaliger rumänischer Unterrichtsminister, Schöpfer des modernen rumänischen Schulsystems. Er stammte aus einer siebenbürgisch-armenischen Familie — eine der Schlüsselfiguren der rumänischen Bildungsgeschichte.

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