Geschichte von Gheorgheni
Von bronzezeitlichen Funden bis heute — die Geschichte der Szekler, der Armenier und
der Lázár-Grafen, die eine der faszinierendsten Regionen Siebenbürgens prägte.
Frühe Geschichte — von der Bronzezeit bis 1607
Das Becken von Giurgeu war bereits vor 3000 Jahren bewohnt — das belegen die bronzezeitlichen Funde auf der Terrasse unterhalb von Magasbükk. Die erste Siedlung entstand am Békény-loka, doch die eigentliche Besiedlung der Region begann erst nach dem Mongolensturm von 1241, als die vor den Tataren fliehenden Szekler hier Zuflucht fanden.
Bronzezeitliche Funde
Die auf der Terrasse unterhalb von Magasbükk entdeckten bronzezeitlichen Funde belegen, dass die Region bereits vor 3000 Jahren bewohnt war. Die erste Siedlung lag am Békény-loka.
Wiederbesiedlung nach dem Mongolensturm
Die nach dem Mongolensturm flüchtenden Szekler fanden im Becken von Giurgeu Zuflucht. Die Siedlung wurde damals neu gegründet — in der Mitte des 13. Jahrhunderts.
Szekler von Csík und Giurgeu
Die Szekler von Csík und Giurgeu wurden erstmals 1285 erwähnt — im Zusammenhang mit der Schlacht von Tarkő gegen die Tataren.
Erste urkundliche Erwähnung
Das päpstliche Zehntregister nennt drei Giurgeu-Siedlungen: Szentmiklós, Alfalu und Szárhegy (Lăzarea). Die Kirche — dem heiligen Nikolaus geweiht — stand bereits zuvor; 1332 wird ein Pfarrer namens Nikolaus erwähnt.
Stuhl Giurgeu unter König Matthias
König Matthias Corvinus erhob als Erster Giurgeu zum Mutterstuhl der Szekler, getrennt von Csík. Die Szekler besaßen adlige Rechte, eigenes Land und waren in der Regel von Steuern befreit — im Gegenzug mussten sie im Kriegsfall Wehrdienst leisten.
Aufstieg der Familie Lázár
Die Familie Lázár erwarb bedeutende Güter in Csík und Giurgeu. Lange Zeit leiteten sie den Szekler-Stuhl und übten weitreichenden politischen Einfluss in der Region aus.
Großer Szekler-Aufstand
Die Szekler erhoben sich gegen die Beschneidung ihrer angestammten Rechte gegen Johann II. von Ungarn (den späteren Fürsten Johann Sigismund), der den Aufstand mit seinen Truppen grausam niederschlug. Die am Aufstand beteiligten gemeinen Szekler wurden in die Leibeigenschaft gestoßen — der Großteil der Einwohner von Gheorgheni wurde fortan zu Leibeigenen der Lázár-Grafen.
Besitzstruktur
Laut einer Konskription von 1567 lebten in Gheorgheni neben 10 freien Szekler-Hofstellen 78 Leibeigenenfamilien — was die schweren Folgen des Aufstandes von 1562 verdeutlicht.
Loskauf
Die in die Leibeigenschaft gestoßenen Szekler konnten sich erst 1599 loskaufen. Sigismund Báthory, Fürst von Siebenbürgen, gab in seinem Freiheitsbrief vom 31. Dezember 1601 die alten Freiheitsrechte zurück.
Marktrecht
Fürst Sigismund Rákóczi verlieh Gheorgheni das Marktrecht — dies war der Beginn der Verstädterung. Das Marktrecht ebnete den Weg zur Stärkung der Handelsfunktion, die mit der armenischen Niederlassung von 1637 ihren Höhepunkt erreichte.
Der Zusatz „Szent Miklós" (heiliger Nikolaus) stammt vom Schutzpatron der Kirche. Die Herkunft des Wortes „Gyergyó" ist umstritten: Einige leiten es vom ungarischen Verb „gurog (görög)" ab, andere vom Namen des Flusses György („Gyergyjó"). Eine weitere Überlieferung führt es auf den Ausruf der ersten Siedler („Jer! Jó!" — „Komm! Es ist gut!") zurück. Die plausibelste Erklärung leitet es vom Namen des heiligen Georg ab.
Armenische Niederlassung — von 1637 bis heute
In der Mitte des 17. Jahrhunderts ließ sich mit Unterstützung des siebenbürgischen Fürsten eine bedeutende armenische Gemeinde in Gheorgheni nieder, die zum Motor des Handels- und Kulturlebens der Stadt wurde. Die Armenier kamen aus der Moldau und prägen das Stadtbild bis heute maßgeblich.
Erste urkundlich belegte Armenier
Die ersten urkundlich belegten armenischen Brüder — Hörtz Azbej und Vartik — treffen in Giurgeu ein. Über die Karpaten gelangten sie häufig auf den örtlichen Markt und handelten in der Stadt. In dieser Zeit verfestigt sich auch der „Friedhof der Fremden".
Massenniederlassung
Mitte des 17. Jahrhunderts — unter der Herrschaft des siebenbürgischen Fürsten Michael Apafi — kommen mehrere hundert armenische Familien aus der Moldau nach Giurgeu. Diese Menschen suchten Zuflucht vor politischer Instabilität und Verfolgung.
Niederlassungsrecht
Fürst Michael Apafi I. von Siebenbürgen gewährte den Armeniern das Niederlassungsrecht — damit war ihre Rechtsstellung in Siebenbürgen geregelt. Von da an wurde die armenische Gemeinde zum Handels- und Wirtschaftsmotor der Stadt.
Union mit der katholischen Kirche
Die Armenier vereinigten sich mit der römisch-katholischen Kirche unter Beibehaltung ihres eigenen Ritus. So konnten sie eine eigene Pfarrei gründen und zugleich ihre armenischen liturgischen Traditionen bewahren — die altarmenische Sprache und den armenischen Ritus.
Kirchengrundstück
Die Armenier kauften den „Friedhof der Fremden" samt einer kleinen Kapelle. Eine interessante Klausel: Sollten sie die Stadt verlassen, könnten sie den Kaufpreis nicht zurückfordern — ein Zeichen dafür, dass sie Giurgeu damals noch als vorübergehenden Aufenthalt betrachteten.
Die armenische Barockkirche
An der Stelle der gotischen Kapelle wird die heutige barocke Kirche Mariä Geburt errichtet. Sie wurde 1772 zu Ehren der Geburt der Jungfrau Maria geweiht. 1748 wurde sie mit einer mit Schießscharten versehenen Steinmauer und Basteitürmen befestigt.
Das letzte Jahr des Mercantiel Forum
Die Armenier hier verfügten über Autonomie — sie hatten ein eigenes Entscheidungsgremium, das Mercantiel Forum, das bis 1799 in armenischer Sprache tagte. Ab Anfang 1800 wechselten sie zur ungarischen Sprache und zur lateinischen Schrift.
Gründung des Csíky-Gartens
Der Rechtsanwalt Dr. Dénes Csíky armenischer Abstammung kaufte das Gelände rund um den Filep-Brunnen und begann mit dem Anlegen des 20 Hektar großen Arboretums. Der Garten wurde 1909 fertiggestellt und gehört bis heute zu den Schätzen der Stadt.
Schließung der armenischen Schule
Der letzte institutionelle Schritt zur Magyarisierung — mit der Schließung der armenischen Schule geriet die Sprache endgültig aus dem Gebrauch. Heute lebt sie nur noch als altarmenische Liturgiesprache fort.
Bankgründung und Verbürgerlichung
Die Armenier gründeten die erste Sparkasse, später die erste Bank der Stadt und später auch in den umliegenden Dörfern (z. B. Joseni). Der Ausdruck „armenische Morgendämmerung" rührt von ihrer Gewohnheit her, früh am Markt einzukaufen. Die Armenier trugen entscheidend zur Verbürgerlichung von Giurgeu bei.
„In dieser Gegend leben zwei Sorten von Menschen: jene, die wissen, dass sie armenische Vorfahren haben, und jene, die es noch nicht wissen."
— Ein siebenbürgisches Sprichwort, das die tiefe Verwurzelung der Armenier im Leben der Stadt zum Ausdruck bringtBerühmte Persönlichkeiten der Stadt
Gheorgheni hat Siebenbürgen und Ungarn zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten geschenkt — Politiker, Künstler, Wissenschaftler und Sportler. Viele von ihnen waren armenischer Abstammung und spielten eine herausragende Rolle in der Geschichte Siebenbürgens und der ungarischen Kultur.
In der Stadt geboren
Orel Dezső
1861 – 1923Gemeinschaftsorganisator, Zeitungsredakteur und Jurist. Der erste Bürgermeister von Gheorgheni als Stadt mit geordnetem Rat.
Lázár István
geb. 1881Schriftsteller, Dichter und Drehbuchautor — ein Akteur des siebenbürgischen Literaturlebens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Dr. Kónya István
1915 – 1958Rechtsanwalt und Teilnehmer der von Aladár Szoboszlay geführten Bewegung. Wurde 1958 in Timișoara hingerichtet unter dem kommunistischen Regime.
Török István
geb. 2. Jan. 1924Schauspieler — ein in Gheorgheni geborener Bühnenkünstler.
Bálint Erzsébet (Kostyákné)
geb. 1926Musiklehrerin und Kunstpublizistin. Ihr Vater, Ákos Bálint, war ein halbes Jahrhundert lang römisch-katholischer Kantor des armenischen Ritus und Chorleiter des Gesangvereins.
Kónya István
geb. 1926Museologe und naturkundlicher Fachautor. Dokumentator des volkskundlichen und naturkundlichen Erbes der Stadt.
Kolumbán József
geb. 1935Mathematiker und Universitätsprofessor. Seit 2001 externes Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften — das wissenschaftliche Erbe der Stadt.
Bagossy Norbert
geb. 1990Sänger der Band Bagossy Brothers Company — eine der populären Figuren der zeitgenössischen ungarischen Musik, der jüngere Stolz Gheorghenis.
Hier aufgewachsen und mit der Stadt verbunden
Marius Urzică
Hier aufgewachsen, wurde Rumäniens legendärer TurnerOlympiasieger, dreifacher Europameister und dreifacher Weltmeister im Gerätturnen. Sein Cheftrainer war József Ferencz — er wuchs in Gheorgheni auf und trainierte dort.
Joó Rózsi
Makó, 1900 — Gheorgheni, 1979Eine Schauspielerin, die einen Großteil ihres Lebens hier verbrachte und 1979 hier verstarb. Eine der mit der Stadt verbundenen Künstlerinnen.
Die armenische Verbindung — weltberühmte Nachfahren
Die armenische Gemeinde von Gheorgheni ist Teil eines Familiennetzes, aus dem international bedeutende Persönlichkeiten stammen. Sie sind nicht alle in der Stadt geboren, doch sind sie sämtlich Nachfahren der siebenbürgisch-armenischen Gemeinde:
Czárán Gyula
1847 – 1906„Der Vater des ungarischen Tourismus" — Wegebauer, Höhlenforscher und Ehrenmitglied des Siebenbürgischen Karpathenvereins. Er leistete vor allem im Bihor-Gebirge (Apuseni) Pionierarbeit. Sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits armenischer Abstammung.
Pongrátz Gergely
1932 – 2005Oberkommandierender der Corvin-Passage in der Ungarischen Revolution 1956 („Bajusz"). Nachkomme einer armenischen Familie aus Gherla. Unter seinem Kommando vernichteten die Kämpfer der Corvin-Passage sowjetische Panzer.
Spiru Haret
Wende vom 19. zum 20. Jh.Ein ehemaliger rumänischer Unterrichtsminister, Schöpfer des modernen rumänischen Schulsystems. Er stammte aus einer siebenbürgisch-armenischen Familie — eine der Schlüsselfiguren der rumänischen Bildungsgeschichte.
Weiter auf Entdeckungsreise
Gheorgheni
Hauptseite der Stadt — die Outdoor-Hauptstadt Siebenbürgens
Armenisch-katholische Kirche
Die barocke Kirche Mariä Geburt — das sakrale Zentrum der armenischen Niederlassung von 1730–1734
Nikolauskirche
Die namensgebende Pfarrkirche der Stadt — Nachfolgerin der gotischen Kirche von 1498
Tarisznyás-Márton-Museum
Das Museum zur Geschichte und zum Erbe der Stadt im Vertán-Haus von 1770
Lázár-Schloss in Lăzarea
Der Gutssitz der Lázár-Grafen — Erziehungsort Gabriel Bethlens, 6 km entfernt
Arboretum Csíky-Garten
Der 1884 vom armenischen Anwalt Dr. Dénes Csíky angelegte dendrologische Park