Sankt-Anna-Kapellen
Auf dem Gipfel des Cioboteni-Bergs — eine römisch-katholische und eine armenisch-katholische Kapelle
verkünden seit Jahrhunderten das Zusammenleben von Szeklern und Armeniern.
Zwei Kapellen über der Stadt
Nördlich der Stadt, auf dem 1087 Meter hohen Cioboteni-Berg, stehen nebeneinander zwei kleine Sankt-Anna-Kapellen: eine ungarische (römisch-katholische) und eine armenische (armenisch-katholische). Seit Jahrhunderten thronen sie als Wahrzeichen über Gheorgheni und künden vom jahrhundertelangen Zusammenleben und Zusammenhalt der beiden katholischen Riten — der Szekler und der Armenier.
Die Kapellen ziehen nicht nur die Blicke von Reisenden auf sich, sondern sind seit alters her ein beliebter Wallfahrtsort vieler Bewohner von Gheorgheni und der Umgebung. Einst zu den Bittagen, heute in der Osternacht und am Sankt-Anna-Tag (26. Juli), finden hier Gottesdienste statt.
Der seit 2004 wiederbelebte Fackel-Kreuzweg am Karmittwoch, organisiert von der armenisch-katholischen Pfarrgemeinde, zieht Jahr für Jahr mehr Pilger an. Zwischen den kühlen Mauern der Kapellen ruhen sich Pilger und Wanderer aus — die bezaubernde Landschaft des Gheorgheni-Beckens lädt zur Einkehr ein.
Die beiden Kapellen auf dem Gipfel des Cioboteni-Bergs · lokale Quelle
Die Kapellen im Einzelnen
Römisch-katholische Kapelle
Die Kapelle der ungarischen SzeklerUrsprung: Manchen Quellen zufolge wurde sie bereits im 13. Jahrhundert errichtet und später barockisiert. Ihre heutige Gestalt erhielt sie 1678 — sie wurde nach den großen Pestepidemien aus Dankbarkeit von den 700 überlebenden Einwohnern von Gheorgheni (damals noch Gemeinde) errichtet.
- 📅 Steht in heutiger Form seit 1678
- 💀 Erbaut zum Gedenken an die Pestepidemie
- 🎉 Kirchweih am 26. Juli seit Urväter-Zeiten
Armenisch-katholische Kapelle
Die Kapelle der armenischen GemeinschaftSie steht seit 1746 auf dem Cioboteni-Berg — errichtet von der armenischen Gemeinschaft von Gheorgheni 78 Jahre nach der Massenansiedlung. 2018–2019 wurde sie gründlich restauriert: das Dach wurde erneuert, Wände innen wie außen neu gestrichen, ein neuer Steinboden verlegt, eine imposante neue Tür eingebaut. Nach der Restaurierung kehrte das unter aussortierten Gegenständen wieder aufgefundene originale Altarbild zurück.
- 📅 Steht seit 1746
- 🔨 2018–19: umfassende Restaurierung
- 🎨 Originales Altarbild gerettet und zurückgekehrt
Sankt Anna — Großmutter Jesu
Sankt Anna ist die Großmutter Jesu — nach christlicher Überlieferung die Mutter der Jungfrau Maria und Ehefrau Joachims. Wie groß ihre Verehrung in Gheorgheni war, zeigt sich daran, dass auf dem Cioboteni-Berg sowohl die Römisch-Katholischen als auch die Gläubigen der armenisch-christlichen Kirche nebeneinander Kapellen errichteten.
In den letzten Jahren hat das Sankt-Anna-Fest eine tiefere Bedeutung gewonnen: bei der Kirchweih an den Kapellen werden die Großmütter und überhaupt die Großeltern geehrt. Neben Pilgern aus der Stadt bereiten Gäste aus Móricgát (Ungarn) die traditionelle Geflügelmagen-Agape zu, mit der jeder Pilger zu einem warmen Mittagessen empfangen wird.
Aufstieg auf den Cioboteni-Berg
Die Kreuzwegstationen auf dem Weg zum Cioboteni-Berg · lokale Quelle
Auf den Berg führen mehrere Wege (Karrenwege), aber es lohnt sich, die bewährte Kapellengasse zu wählen — schon ihr Name sagt vieles aus. Die Wandermarkierung rotes Kreuz begleitet dich auf dem gesamten Weg.
Der Weg ist zugleich ein Kreuzweg, der 2012 geweiht wurde. Entlang seiner Stationen schreiten die Einheimischen während des Sankt-Anna-Festes singend und betend dahin. An jeder Station können wir des Leidens Christi gedenken.
Das Panorama neben den Kapellen umfasst das gesamte Gheorgheni-Becken — die umliegenden Berge und die rotbedachten Häuser der Stadt. Im Frühling blühen außerdem auf den umliegenden Hügeln Orchideen — viele wildwachsende Arten.
💡 Tipp von den Einheimischen: Bevor du in die Kapellengasse einbiegst, gibt es an der Ecke einen kleinen Laden, in dem köstliches Kartoffelbrot verkauft wird. Wer hierherkommt, sollte es unbedingt probieren!
Gottesdienste auf dem Berg
Fackel-Kreuzweg am Karmittwoch
Am Mittwochabend vor Ostern. Als Wiederbelebung einer uralten Tradition wird er von der armenisch-katholischen Pfarrgemeinde seit 2004 regelmäßig veranstaltet — Jahr für Jahr zieht er mehr Pilger an.
Osternacht
Die Osternachtfeier — die Auferstehungsfeier an den Kapellen. Eine uralte Tradition auf dem Cioboteni-Berg.
Sankt-Anna-Kirchweih
26. Juli · Die Hauptkirchweih. Um 9 Uhr morgens brechen die Prozessionen auf, um 12 Uhr Heilige Messe, danach die Geflügelmagen-Agape aus Móricgát. Ehrung der Großmütter.
Bilder vom Cioboteni-Berg
Bildquellen: lokale Quellen
Viersprachige Informationstafel (2025)
Am 26. Juli 2025 wurde an der Wand der armenischen Kapelle eine viersprachige (ungarisch, rumänisch, englisch, armenisch) Informationstafel im Rahmen der Sankt-Anna-Wallfahrtsmesse enthüllt. Die Tafel wurde vom Verband der Siebenbürger Ungarn-Armenier mit Unterstützung von Erzbischof Gergely Kovács von Alba Iulia und dem Kreisrat Harghita aufgestellt.
Den Text der Tafeln stellte der armenisch-katholische Pfarrer Hunor Gál auf der Grundlage der Forschungen von Dezső Becsek Garda und eigener Recherchen zusammen. Den Segen erteilte József Lukács, ein in Gheorgheni geborener und in Köln tätiger ungarischer Pfarrer — unter Mitwirkung des Chors der armenisch-katholischen Pfarrgemeinde und der Ehrengarde der Vörösköpönyegesek (Rotmäntel).
Nützliche Hinweise
Lage
- Ort: Cioboteni-Berg
- Nördlich von Gheorgheni
- GPS: 46.7484° N, 25.6139° O
- Höhe: 1087 m
Anfahrt
- Route: von der Kapellengasse aus
- Markierung: rotes Kreuz
- Dauer: ca. 1–1,5 Stunden
- Kreuzwegstationen entlang des Weges
Wann
- Ganzjährig zu besichtigen
- Frühling: Orchideen in der Umgebung
- Kirchweih: 26. Juli
- Eintritt: FREI
Tipps
- Kartoffelbrot an der Ecke der Kapellengasse
- Morgenstunden: klareres Panorama
- Am Kirchweihtag: Geflügelmagen-Agape
- Nimm Wasser mit
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