Geschichte von Odorheiu Secuiesc
Vom „Telegd" der Árpádenzeit zu einem der bedeutendsten Schul- und Kulturzentren Siebenbürgens —
fast sieben Jahrhunderte bewegte Geschichte eines zur Stadt gewachsenen Fürstensitzes.
Der Fürstensitz der Árpádenzeit
Odorheiu Secuiesc, im zentralen Teil des Beckens von Odorhei gelegen, entstand am östlichen Rand des Kokel-Hügellandes entlang des Oberlaufs der Großen Kokel (Târnava Mare). In der Árpádenzeit lässt es sich noch als weilerartige Siedlung rekonstruieren, wahrscheinlich unter dem Namen „Telegd".
Archäologische Funde belegen, dass die Anfänge der Siedlung weit weiter zurückreichen, als urkundliche Quellen zeigen: das Fundmaterial aus dem Stadtgebiet datiert ins 12.–13. Jahrhundert.
Die erste erhaltene schriftliche Erwähnung des Pfarrers der Kirche auf dem Sankt-Nikolaus-Berg stammt aus dem Jahr 1317, als ihr Priester namens Konrád verzeichnet wird. Diese Kirche ist die erste bekannte kirchliche Einrichtung der Stadt.
Der Name der Stadt in der Árpádenzeit lautete vermutlich „Telegd". Der heutige Name „Udvarhely" deutet darauf hin, dass hier der Gespan der Szekler seinen Hof hielt.
— Ungarische historische QuelleVom päpstlichen Zehntregister bis zur Zeit König Matthias' Corvinus
Im Jahr 1301 wird es erstmals als Uduord erwähnt. Dann erscheint es im päpstlichen Zehntregister von 1333 als Uduorhel — sein Priester István zahlte damals sieben Ban-Denare als Zehnt. Von dieser Zeit an ist die offizielle städtische Existenz belegt.
📜 1357: unter König Ludwig I. tagte hier die erste Szekler-Nationalversammlung, die sowohl Rechtsfragen der Szekler als auch mehrerer Burgen Siebenbürgens klärte — Odorheiu Secuiesc wurde zum traditionellen Zentrum des Szeklerlandes: gegen Urteile der Szekler-Stuhlgerichte konnte hier Berufung eingelegt werden.
👑 König Sigismund erhob die Siedlung in den Stadtrang und kam selbst hierher, als er mit István, dem Woiwoden Siebenbürgens, in Streit geriet. Die Fürsten Siebenbürgens gewährten der Stadt alle Privilegien.
🏰 1492: die erste Burg des Ortes wurde um ein früheres Kloster errichtet. Sie wurde später zum Vorläufer der Burg Székelytámadt.
Der Szekler-Aufstand und die Burg Székelytámadt
Überreste der Csonka-Burg (ehemals Burg Székelytámadt) · lokale Quelle
In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Privilegien der Szekler immer weiter eingeschränkt. Im April 1562 versammelten sich die Szekler in Odorheiu Secuiesc und Umgebung und erklärten sich zur Szekler-Nationalversammlung. Die Aufständischen waren mehrere Tausend — wahrscheinlich über zehntausend.
Nach der Niederschlagung des Aufstands ließ Fürst Johann Sigismund von Siebenbürgen zwischen 1562 und 1565 die Burg Székelytámadt errichten — der Name spricht für sich: zynisch wurde sie „Székelytámadt" („die die Szekler angreift") genannt, denn sie wurde zur Demütigung der besiegten Szekler erbaut.
Im Jahr 1558 erhielt die Stadt von Königin Isabella Steuerfreiheit — die Ära der Privilegien geriet jedoch bald ins Wanken.
Von Székelytámadt zur Csonka-Burg — der Leidensweg einer Festung
Bau der ersten Burg
Die erste Befestigung wird um ein früheres Kloster errichtet.
Burg Székelytámadt
Johann Sigismund lässt sie unter Nutzung des Klosters errichten, zur Demütigung der besiegten Szekler.
Erste Zerstörung
Die Szekler, die sich auf die Seite des Woiwoden Michael des Tapferen stellten, schleifen die Burg — als Rache für ihre Demütigung.
Ali Pascha brennt sie nieder
Beim türkischen Angriff erleidet die Festung erneut schwere Schäden.
Gabriel Bethlen lässt sie wiederaufbauen
Fürst Gabriel Bethlen von Siebenbürgen ordnet den Wiederaufbau der Festung an.
General Tiege plündert sie
Während des Rákóczi-Freiheitskampfes plündert das kaiserliche Heer des Generals Tiege die Burg.
Pekry Lőrinc lässt sie schleifen
Pekry Lőrinc, der die Burg zurückerobert, lässt sie von den Szeklern schleifen — seither heißt sie Csonka-Burg („Verstümmelte Burg"). Bedeutende Überreste der Festung sind bis heute zu sehen.
Zwei Konfessionen — zwei große Kollegien
Odorheiu Secuiesc wird seit dem Ende des 16. Jahrhunderts als „Schulstadt" bezeichnet — auch heute ist jeder vierte Einwohner Schüler! Die Stadt schenkte Siebenbürgen zwei renommierte höhere Bildungseinrichtungen.
Jesuitisches Untergymnasium
Das erste Gymnasium der Stadt — gegründet vom römisch-katholischen Jesuitenorden, bot damals nur Grammatikunterricht. Hier wurden die Grundlagen der katholischen Bildung gelegt, aus denen später das Römisch-Katholische Hauptgymnasium hervorging.
Reformiertes Kollegium
Der protestantische Hochadlige Graf János Bethlen, Kanzler — Absolvent der Universität Frankfurt, Kanzler Siebenbürgens, Oberhauptmann des Udvarhely-Stuhls — stiftete tausend Goldmünzen, um die bestehende Trivialschule in den Rang eines Gymnasiums zu erheben. Mitgründer des Kollegiums war sein Sohn, Graf Miklós Bethlen.
Ab 1736 wurde das reformierte Gymnasium um Poetik- und Rhetorikklassen erweitert — von da an bot es eine vollständige humanistische Ausbildung. Die Odorheier „Deák-Juristen" stammten aus verschiedenen Schichten der Szekler-Gesellschaft und fanden sich durch ständiges Lernen in der komplexen Welt des szeklerischen Rechtssystems zurecht.
📚 Die beiden Einrichtungen wurden später von bedeutenden Persönlichkeiten besucht: Orbán Balázs („der größte Szekler"), Áron Tamási, Sándor Tomcsa — alle gingen in Odorheiu Secuiesc zur Schule.
🏛️ 1780–1781: das neue Gebäude des reformierten Kollegiums wurde von Backamadarasi Kiss Gergely (1737–1787) am Hauptplatz der Stadt errichtet — wodurch der ehemalige Marktplatz in einen Unteren und einen Oberen Marktplatz geteilt wurde. Das Monogramm „KG" des bekannten Rektor-Professors ist noch heute auf dem westlichen Ziegeldach der reformierten Kirche am Hauptplatz zu lesen, begleitet von der Jahreszahl 1781.
„Én Bethlen János szemem előtt viselvén, hogy az Isten a világi mulandó jókban csak sáfárrá tett, keresztyén kötelességünk akarván vékony tehetségem szerént felelni, testamentumomban hattam volt az udvarhelyi orthodoxa scolának 1000 aranyat..."
— Testament des Kanzlers János Bethlen, 1670Die Blütezeit der Schulstadt
Das 19. Jahrhundert ist die Modernisierungsepoche von Odorheiu Secuiesc. Die Stadt wurde zum Sitz des Komitats Udvarhely, ihre Einrichtungen entwickelten sich rasant. Im Geiste der Reformzeit entstanden neue Schulen, Ämter und bürgerliche Wohnhäuser.
1862: das Gymnasium mit ungarischer Unterrichtssprache wird eröffnet — ein wichtiger Schritt zur Ausweitung der bürgerlichen Bildung. Die Stadt wurde eindeutig zum kulturellen Zentrum des Szeklerlandes.
1886–1887: das Gebäude des reformierten Kollegiums wird innen und außen umgebaut — ein Stockwerk wird aufgesetzt, die Dachkammern und das Glockenhaus verschwinden, die Fenster werden vergrößert. So erhält die Schule ihre bis heute sichtbare Gestalt.
1893: die Stein- und Tonverarbeitungs-Fachschule von Odorheiu Secuiesc wird gegründet, eingerichtet zur Ausbildung der Töpfermeister aus den umliegenden Töpferdörfern (insbesondere Corund).
Hufeisenplatz — ehemals Marktplatz, heute Márton-Áron-Platz · lokale Quelle
Kriege, Besatzungen, Überleben
📅 1910: die Stadt hat 10 244 Einwohner — überwiegend Ungarn. Bis zum Vertrag von Trianon ist sie Sitz des Bezirks Udvarhely im Komitat Udvarhely.
⚔️ August 1916: beim Angriff des Königreichs Rumänien auf Siebenbürgen packen die Städter ihr Hab und Gut auf Wagen und flüchten nach Ungarn — doch noch bevor die Flüchtlinge dort ankommen, vertreiben österreichisch-ungarische und deutsche Truppen die Rumänen aus Siebenbürgen. Das dritte Kriegsjahr brachte das gesamte Szeklerland in den Schrecken.
🗿 8. Dezember 1917: am Hauptplatz wird das Denkmal für die gefallenen Helden des 82. Szekler-Infanterieregiments enthüllt — die Statue des Eisernen Szeklers. Die ursprüngliche Holzskulptur wurde aus Zerreichenholz gefertigt und mit Stahlschuppen bedeckt — daher der Spitzname. Es gab vier Schöpfer: Feldwebel István Erdélyi (Entwurf), Zugführer Ottó Herman, Korporal Géza Rózsa und Honvéd Jenő Sipos (drei Szekler + ein Sachse).
🔴 1919: während der rumänischen Besatzung wird der Eiserne Szekler gestürzt und zerlegt — nur der Sockel bleibt jahrzehntelang erhalten.
🔄 1941: in der Zeit der Rückgliederung an Ungarn wird an der Stelle des Eisernen Szeklers eine Landesflagge mit Szekler-Grabpfahl (Kopjafa) aufgestellt.
🏛️ 1968: im Rahmen der Verwaltungsreform des Ceaușescu-Regimes wird Odorheiu Secuiesc zur Stadt mit Munizipalrecht und Teil des Kreises Harghita. Es folgen schwere Jahre der Romanisierungspolitik.
🕊️ 15. März 2000: die Bronzekopie des Bildhauers János Szabó steht wieder an ihrem Platz — der Eiserne Szekler kehrt zurück. Auf dem Sockel ist noch heute die Originalinschrift lesbar: „Bringt Edelweiß vom Harghita-Gebirge – die Szekler-Helden sind unsterblich!"
Die Großen der „Szekler-Mutterstadt"
Mózes Székely
Der einzige szeklerische Fürst Siebenbürgens — 1553 in Odorheiu Secuiesc geboren. Hier verbrachte er seine Kindheit; sein Vater, János Literáti Székely, war ab 1568 Aufseher der Szekler-Salzbergwerke.
István Lakatos
Chronist, Priester — eine der Schlüsselquellen zur frühneuzeitlichen Geschichte der Stadt.
Backamadarasi Kis Gergely
Der berühmte Rektor-Professor des reformierten Kollegiums, Erbauer des Gebäudes am Hauptplatz von 1780. Sein Monogramm ist noch heute auf den Kirchenziegeln zu lesen.
Orbán Balázs
„Der größte Szekler" — er besuchte das römisch-katholische Hauptgymnasium in Odorheiu Secuiesc, bevor er die sechsbändige Monographie „Beschreibung des Szeklerlandes" verfasste.
Mózes Szakács
Reformierter Pfarrer und Kollegiumslehrer — geboren in Beta (Betfalva), unterrichtete und starb in Odorheiu Secuiesc.
Áron Tamási
Ungarischer Schriftsteller aus Siebenbürgen — von 1910 bis 1916 Schüler des römisch-katholischen Hauptgymnasiums in Odorheiu Secuiesc (die Schule trägt heute noch seinen Namen). Von hier wurde er in den Ersten Weltkrieg eingezogen.
Sándor Tomcsa
Schriftsteller, Karikaturist — ein Sohn der Stadt, der „sich nie von Odorheiu Secuiesc trennen konnte". Hier zeichnete er seine ersten Karikaturen. Heute trägt das Theater der Stadt seinen Namen.
Rezső Soó
Biologe — seine Statue wurde 2003 in der Stadt errichtet. Eine der größten Gestalten der ungarischen Botanik.
László Tompa · Ferenc Móra · Dávid Baróti Szabó
Weitere bedeutende Persönlichkeiten, denen in der Stadt Statuen oder Gedenktafeln gewidmet sind. Die 13 Büsten des „Parks der Erinnerung" stellen die Großen der ungarischen Geschichte und Literatur dar.
Sieben Jahrhunderte — auf einen Blick
Weilerartige Siedlung
Archäologische Funde zeigen, dass bereits eine Siedlung vom Typ „Udvarhely" existiert — vielleicht unter dem Namen „Telegd".
Priester der Kirche auf dem Sankt-Nikolaus-Berg
Erwähnung des Priesters Konrád — das erste kirchliche Zeugnis aus der Stadt.
Päpstliches Zehntregister: „Uduorhel"
Die erste offizielle Erwähnung — der Priester István zahlt 7 Ban-Denare.
Erste Szekler-Nationalversammlung
Unter König Ludwig I. — das Szeklerland wird zum Gerichtszentrum.
Erste Burg
Die erste Befestigung der Stadt entsteht um ein Kloster herum.
Steuerbefreiung
Die Stadt erhält von Königin Isabella eine Steuerbefreiung.
Großer Szekler-Aufstand
Über 10 000 Aufständische versammeln sich in der Stadt — nach deren Niederschlagung lässt Johann Sigismund die Burg Székelytámadt errichten.
Jesuitisches Untergymnasium
Der Beginn der Schulstadt-Ära — Gründung des ersten Gymnasiums.
Reformiertes Kollegium
Mit der Stiftung von 1000 Goldmünzen des Kanzlers János Bethlen — eine der führenden Einrichtungen Siebenbürgens.
Csonka-Burg („Verstümmelte Burg")
Pekry Lőrinc lässt die Burg schleifen — seither heißt sie „Csonka-Burg".
Neues Kollegiumsgebäude
Erbaut von Backamadarasi Kis Gergely am Hauptplatz der Stadt.
Ungarischsprachiges Gymnasium
Ausweitung der bürgerlichen Bildung — eine moderne Schule.
Stein- und Tonverarbeitungs-Fachschule
Zur Ausbildung der Meister aus den umliegenden Töpferdörfern (Corund!).
Rumänische Invasion und Eiserner Szekler
1916: Flucht der Bevölkerung. 8. Dezember 1917: Enthüllung des Eisernen Szeklers.
Trianon und der Sturz des Eisernen Szeklers
Nach dem Anschluss an Rumänien wird das Denkmal zerstört.
Stadt mit Munizipalrecht
Neuer Verwaltungsstatus als Teil des Kreises Harghita.
Der Eiserne Szekler kehrt zurück
Die Bronzekopie von János Szabó wird am 15. März enthüllt.
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Eiserner Szekler, Park der Erinnerung — das Herz der Stadt, Treffpunkt der Geschichte
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