Schlammvulkane von Filiași
Eines der seltensten Naturphänomene Europas, bei dem aus der Tiefe aufsteigendes Methangas
„kalte" Schlammvulkane formt — am Hang des Cserehát-Hügels, bei Cristuru Secuiesc.
Ein verborgenes Naturwunder des Szeklerlandes
Die Schlammvulkane von Filiași (örtlich Fehérszék genannt) bilden ein geologisches Reservat von etwa 1 Hektar südwestlich von Filiași, am Hang des Cserehát-Hügels im Sukoró-Tal. Weniger bekannt als die von Berca, gehören sie zu den außergewöhnlichsten Naturschauspielen des Szeklerlandes.
Der Standort liegt nur 1 km von Cristuru Secuiesc entfernt, am westlichen Rand der Ortschaft. Von den drei Schlammkegeln sind üblicherweise zwei aktiv; der dritte ist bereits von Vegetation überwachsen und zeigt keine Aktivität mehr.
Im Udvarhely-Stuhl, entlang des Weißen Nyikó und des Kleinen Homorod, gibt es mehrere Schlammvulkane — bereits Balázs Orbán erwähnt sie in seinem Werk „Die Beschreibung des Szeklerlandes". Die wissenschaftliche Welt entdeckte sie jedoch erst Anfang des 20. Jahrhunderts, im Zuge der Gas-Erkundungen in der Region.
Die aktiven Schlammkegel inmitten der Wiese · lokale Quelle
Das Phänomen der „kalten" Schlammvulkane
Trotz ihres Namens und ihrer vulkanähnlichen Form sind die Schlammvulkane von Filiași NICHT durch vulkanische Tätigkeit oder Nachvulkanismus entstanden! Es handelt sich um sogenannte „kalte" Schlammvulkane, die in Gegenwart von Erdgas (hauptsächlich Methan) entstehen — meist in lockeren, tonigen Böden.
Das Wesen des Phänomens: aus der Tiefe an die Oberfläche drängendes Erdgas reißt Schlamm und Wasser mit, die an der Oberfläche nach und nach Kegel aufbauen. Der Vorgang dauert bis heute an — die Oberfläche „wächst" praktisch vor unseren Augen.
📚 Das Phänomen ist im Karpatenbecken selten und gilt europaweit als Besonderheit. Ähnliche Bildungen finden sich nur bei Berca sowie in Siebenbürgen in den Kreisen Alba, Sibiu, Mureș und Harghita.
Der „Ausbruch" im Herbst 1913
Die drei Schlammkegel területe · helyi forrás
Die Schlammvulkane von Filiași nahmen ihre heutige Form im Herbst 1913 an. Die Ursache ist interessant und lehrreich: Wegen der langen Sommerregen verstopfte die Bodenschicht den Austrittsweg des Gases.
Das aufgestaute und angesammelte Erdgas brach schließlich an die Oberfläche durch und riss den Schlamm mit — so entstanden in einem einzigen Herbst die heute noch sichtbaren Schlammkegel. Sie wachsen also seit über 113 Jahren ununterbrochen!
📚 Das Phänomen wurde vom Odorheier Geologen János Bányai ausführlich untersucht — in seinem 1932 erschienenen Werk „Die Schlammquellen des Komitats Udvarhely" lieferte er eine umfassende wissenschaftliche Klassifizierung der siebenbürgischen Schlammvulkane. Bányais Arbeit gilt in Siebenbürgen bis heute als das Standardwerk zu diesem Thema.
Woher stammt die Bezeichnung „Fehérszék"?
Die Einheimischen nennen das Gebiet am Hang des Cserehát-Hügels im Sukoró-Tal „Fehérszék" (Weißer Stuhl) — und der Name geht auf ein besonderes Naturphänomen zurück.
Schlamm und Wasser, die hervortreten, haben einen hohen Salzgehalt. Wenn die Oberfläche der Schlammströme in Trockenzeiten austrocknet, kristallisiert das Salz aus und färbt das gesamte Gebiet weiß. Als beträte man mitten im Sommer ein Schneefeld — daher der Name „Fehérszék" (Weißer Stuhl).
💎 Dieses Salz ist kein Zufall: Tief unter der Region liegen bedeutende Salzlagerstätten (die sich bis hierher von Praid erstrecken), und das aufsteigende Wasser bringt sie an die Oberfläche.
Zufluchtsort seltener salztoleranter Pflanzen
Auf dem salzigen, tonigen Boden können nur besondere, salztolerante (halophile) Pflanzen gedeihen. Das Gebiet ist daher ein einzigartiger Lebensraum — Heimat von Pflanzenarten, die andernorts in der Umgebung nicht vorkommen.
Sumpf-Dreizack
Triglochin palustris — eine seltene und geschützte Pflanze der Schlammvulkane von Filiași. Sie gedeiht nur in sehr besonderen, salzhaltigen Sumpflebensräumen.
Salztolerante (halophile) Rasen
Auf der salzig-schlammigen Oberfläche hat sich eine besondere halophile Vegetation entwickelt — Gräser und zweikeimblättrige Pflanzen, die die salzige Umgebung vertragen.
Mit Vegetation bewachsener Kegel
Einer der drei Kegel ist bereits von Vegetation überwachsen — die Natur erobert zurück, was nicht mehr aktiv ist. Ein lebendiges Beispiel für natürliche Sukzession.
Forschungsstandort der Babeș-Bolyai-Universität
Die Schlammvulkane von Filiași sind nicht nur eine touristische Sehenswürdigkeit, sondern auch Gegenstand aktiver wissenschaftlicher Forschung. Der Lehrstuhl für Physische Geographie an der Fakultät für Geographie der Babeș-Bolyai-Universität untersucht das Phänomen seit Jahren.
📚 János Bányai (1932) — „Die Schlammquellen des Komitats Udvarhely" (Erdélyi Múzeum, 17/1) — schuf das umfassende Klassifizierungsschema der siebenbürgischen Schlammvulkane.
📚 Andrea Gál und Melánia Lakatos (2003) — „Sprudelnde Quellen und Schlammvulkane der oberen Einzugsgebiete der Kleinen und Großen Kokel" (Collegium Geographicum).
📚 Andrea Gál (2005) — Dissertation: „Pseudovulkanische Phänomene des Kokel-Hochlands" (Babeș-Bolyai-Universität).
📚 Andrea Ihos und Nóra-Emília Katona (2007) — Studentische Forschungsarbeit: „Untersuchung der Schlammvulkan-Typen in Filiași und Cobătești" — Fakultät für Geographie, Babeș-Bolyai-Universität.
🎓 Ziel der wissenschaftlichen Forschung ist die Erkundung der unterirdischen Morphologie und die internationale typologische Einordnung — die internationale wissenschaftliche Verortung der siebenbürgischen Schlammvulkane.
Wie findest du es?
Der Ort ist nur lückenhaft beschildert — es lohnt sich, die Route vorab zu planen. Der Weg ist nicht schwer, die Orientierung erfordert jedoch Aufmerksamkeit.
Fahre durch Filiași
Fahre im Dorf bis zum letzten Fabrikgebäude durch — dort befinden sich die örtlichen Orientierungspunkte.
Suche den Feldweg nach links
Etwa 500 Meter hinter dem Dorf biegt man auf einen Feldweg nach links ab — ein Schild kennzeichnet die Abzweigung.
Am großen Baum nach rechts abbiegen
Auf dem Feldweg biege an einem großen Baum nach rechts ab und quere das Bachbett (eine symbolische Furt).
Steige zu Fuß den Hügel hinauf
Die Vulkane verbergen sich mitten in der Wiese auf dem Cserehát-Hügel. Nähere dich leise — die Landschaft bietet eine besondere Stimmung!
Fehérszék in Bildern
Bildquellen: lokale Quellen · Excel-Datenbank
Nützliche Hinweise
Erreichbarkeit
- Ortschaft: Filiași, Kreis Harghita
- GPS: 46.2551° N, 24.9973° O
- 1 km westlich von Cristuru Secuiesc
- 35 km von Odorheiu Secuiesc
Wann sich der Besuch lohnt
- Bei trockenem Wetter: ideal
- Bei Regen: schwer begehbar (Schlamm!)
- Bei Trockenheit zeigt sich das weiße Salz
- Vom Frühling bis Herbst zugänglich
Eintritt und Parken
- Eintritt: KOSTENLOS
- Unbewachtes Gelände
- Parken: am Ortsrand von Filiași
- Kein offizieller Parkplatz
Tipps
- Bequeme Wanderschuhe sind Pflicht
- NICHT auf die Schlammkegel treten
- Keine Pflanzen pflücken (geschützt!)
- Mit Cristuru Secuiesc kombinieren
Verwandte Sehenswürdigkeiten
Corund
Das Töpferdorf — ebenfalls eine geologische Wunderstätte mit dem Csiga-Hügel und Aragonit
Mini-Transsilvanien-Park
In Szejkefürdő (Seiche-Bad) — über 80 siebenbürgische Modelle, familienfreundlicher Erlebnispark
Szejke-Bad
Das Erbe von Balázs Orbán, Museum der Szekler Tore, Mineralwasser-Museum
Odorheiu Secuiesc
Die „szeklerische Mutterstadt" — die Stadt des Geologen János Bányai