Urmánczy-Schloss
Das 120 Jahre alte Jugendstil-Denkmal am Ufer der Mureș — das Erbe von Jeromos Urmánczy,
das nun durch ein PNRR-Projekt von 22 Millionen Lei restauriert wird
Quelle: Verein Positive Transylvania
Das einzigartige Jugendstil-Schloss Siebenbürgens
Das Urmánczy-Schloss ist das architektonische Juwel von Toplița — zugleich das einzige Schloss im Jugendstil (Art Nouveau), das in der Architektur Siebenbürgens einzigartig ist. Es erhebt sich am Ufer der Mureș in einem 4348 m² großen Landschaftspark und bewahrt bis heute die einstige Blüte der armenischstämmigen Familie Urmánczy.
Das Schloss wurde zwischen 1903 und 1906 vom Gutsbesitzer Jeromos Urmánczy errichtet, entworfen vom tirolisch-stämmigen Architekten Virgilio Giacomuzzi. Sein Stil verbindet den Jugendstil mit der durch Károly Kós berühmt gewordenen volkstümlichen Bauweise — eine besondere und einzigartige Mischung in der siebenbürgischen Schlossarchitektur.
Sein dominantes Element ist der helmdachgekrönte Wasserturm an der rechten Ecke der Hauptfassade, bekannt als Lieblingsaufenthalt des Reichstagsabgeordneten Nándor Urmánczy — hier starb er auch 1940. Das Schloss wurde 2019 offiziell zum Denkmal erklärt und wird derzeit im Rahmen eines PNRR-Projekts von 22 Millionen Lei restauriert.
Das Schloss mit dem Wasserturm · urmanczycastle.ro
Die einzigartigen Merkmale des Schlosses
Der Stil des Urmánczy-Schlosses ist in Siebenbürgen unvergleichlich: Er verbindet die Wiener-europäische Jugendstil-Eleganz mit der durch Károly Kós geprägten siebenbürgisch-volkstümlichen Bautradition. Jedes Detail des Schlosses ist Ergebnis bewusster Planung — vom Stein bis zur Fassade.
Wasserturm
Der helmdachgekrönte Wasserturm an der rechten Ecke der Hauptfassade ist das markanteste Element des Schlosses. Ein viergeschossiger Bau mit quadratischem Grundriss auf Bruchsteinsäulen — der zugleich einen gespeicherten Wasservorrat sicherte.
Steinbruch von Tárnica
Die Steine des Schlosses stammten aus dem Steinbruch der Familie Urmánczy bei Tárnica. Auf Schienen am Berghang glitten die beladenen Wagen hinab, während auf der Gegenseite die leeren hochgezogen wurden — eine geniale Lösung.
Grüne und weiße Fassade
Die Fassaden sind mit grünem Edelputz versehen, während die architektonischen Elemente mit weißer Jugendstil-Stuckatur hervorgehoben sind. Die Fenster der Hauptfassade, die Brüstung des kleinen Balkons und der Eckturm sind weiß gerahmt.
120 Jahre Schloss
Die Geschichte des Schlosses umfasst zugleich die Blüte des siebenbürgischen Adelslebens, die Prüfungen der Verstaatlichung, den Verfall und die jetzt anbrechende Wiedergeburt.
Jeromos Urmánczy ließ das Schloss mit dem Geld errichten, das er aus dem Verkauf des Streckenabschnitts Gheorgheni–Deda der Szekler Ringbahn erzielt hatte. Den Entwurf lieferte der tirolische Architekt Virgilio Giacomuzzi, der in Siebenbürgen Spuren des Jugendstils hinterließ.
Kurz nach Fertigstellung des Baus wurde es im Ersten Weltkrieg zum Hauptquartier der 14. Division der rumänischen Armee. Der Krieg setzte dem ruhigen, adeligen Lebensabschnitt des Schlosses ein Ende.
Das kommunistische Regime verstaatlichte es 1948. Eine Zeit lang nutzte es das Militär, dann wurde ab 1963 aus dem Schloss und den Nebengebäuden (Reithalle, Verwalterhaus, Wasserpumpenhaus) ein Krankenhaus.
Das nebenan errichtete städtische Krankenhaus verdeckte die Hauptfassade des Schlosses, und das Anwesen blieb ohne Funktion. Im Park wurden Plattenbauten und ein Verwaltungsgebäude hochgezogen — bis heute eine Verletzung der Umgebung.
2009 erhielten die Nachfahren Urmánczy es zurück, doch erst 2013 konnten sie es tatsächlich in Besitz nehmen. Der 2017 gegründete Verein Positive Transylvania übernahm die Pflege und die Förderung der Restaurierung.
Dank der PNRR-Förderung von 22 Millionen Lei (≈4,4 Millionen Euro) begann die vollständige Restaurierung. Das Ziel ist Mitte 2026 — Ausstellungsraum, Kulturcafé, Konferenzsaal und Aussichtspunkt im Turm erwarten die Besucher.
Das Schloss in Bildern
Bildquellen: urmanczycastle.ro · Verein Positive Transylvania · lokale Quellen
Was wird das Schloss ab 2026 beherbergen?
Nach der Restaurierung für 22 Millionen Lei wird das Schloss nicht als Museum, sondern als lebendiges Kulturzentrum wirken. Erdgeschoss, Obergeschoss, Turm und Untergeschoss erhalten jeweils neue Funktionen.
Hier finden ein Veranstaltungssaal, ein Ausstellungsraum und ein Kulturcafé Platz. Vorträge, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen sind möglich — ein lebendiger Treffpunkt für die Kultur von Toplița und der Umgebung.
Der Wasserturm des Schlosses wird durch eine Wendeltreppe zugänglich gemacht, und von seiner Spitze öffnet sich ein unvergleichlicher Blick auf das Mureș-Tal und die Silhouette des Călimani-Gebirges. Eine neue touristische Attraktion entsteht.
Eingerichtet werden ein Konferenzsaal, ein Raum für museumspädagogische Workshops und eine Küche. Das Untergeschoss bündelt die wissenschaftlichen, pädagogischen und gastronomischen Funktionen.
Der derzeitige Eingang liegt auf der Rückseite, was nicht ideal ist. Nach der Restaurierung öffnet sich ein neuer Eingang in Richtung Stadtzentrum, sodass das Schloss für Besucher leichter zugänglich wird.
Bevor du aufbrichst
In Restaurierung!
- Das Schloss wird derzeit restauriert
- Die vollständige Restaurierung läuft von 2024 bis 2026
- Innenbesichtigungen sind derzeit eingeschränkt
- Die Außenbesichtigung ist weiterhin möglich
- Eröffnung: Mitte 2026 (geplant)
Nützliche Hinweise
- Adresse: am Ufer der Mureș, Zentrum von Toplița
- Betreiber: Verein Positive Transylvania
- Eintritt: auf Spendenbasis (für die Restaurierung)
- Facebook: Castelul Urmánczy kastély
- Web: urmanczycastle.ro
Anfahrt
- Vom Zentrum Toplița: 5 Minuten zu Fuß
- Aus Richtung Miercurea Ciuc: DN12 (92 km)
- Aus Richtung Borsec: DN15 (24 km)
- Vom Bahnhof: ca. 10 Minuten zu Fuß
- GPS: ~46.9173° N, 25.3457° O
Wie kannst du unterstützen?
- Spenden über den Verein Positive Transylvania
- Besuch an den Europäischen Tagen des Kulturerbes
- Den Escape Room ausprobieren (vor Ort)
- Online teilen und bekannt machen
- Ehrenamtliche Mitarbeit bei Vor-Ort-Veranstaltungen
Wusstest du?
Die Familie finanzierte den Bau durch den Verkauf des etwa 50 km langen Streckenabschnitts der Szekler Ringbahn zwischen Gheorgheni und Deda — ein Eisenbahnvermögen verwandelte sich in ein architektonisches Meisterwerk.
Auf dem Weg zum Schloss stand einst ein fast 4 Meter hohes Eisentor, das von zwei großen Steinlöwen bewacht wurde — heute existiert es leider nicht mehr, es verschwand während der Verstaatlichung.
Im Erdgeschoss gab es neun Zimmer, der eleganteste war der Jagdsaal (Hall). An den Wänden hingen Bildnisse großer ungarischer Geschichtsgestalten — Rákóczi, Kossuth —, solange die Familie im Schloss lebte.
Während der Restaurierungsarbeiten 2024 wurde im Schloss ein schwerer Pilzbefall entdeckt — der Echte Hausschwamm hatte sich ausgebreitet. Das hat die Restaurierungsarbeiten erheblich erschwert und verlängert.