Franziskanerkirche und Kloster
Das älteste und eines der prägendsten Gebäudeensembles am Hauptplatz von Odorheiu Secuiesc.
Eine ab 1730 erbaute Barockkirche — bis heute ein aktives religiöses, gemeinschaftliches und Bildungszentrum.
Die „Mönchskirche" — das Schmuckstück des Hauptplatzes
Die Franziskanerkirche und das Kloster von Odorheiu Secuiesc (volkstümlich: Mönchskirche) bilden das älteste und eines der prägendsten Gebäudeensembles am Hauptplatz der Stadt. Die zwischen 1713 und 1779 errichtete Barockkirche ist bis heute ein aktives religiöses und gemeinschaftliches Zentrum.
Die zweitürmige Barockkirche — 36 Meter lang, 17 Meter breit und mit einer Innenhöhe von 14 Metern — steht an der Ecke des Hauptplatzes, am Anfang der Burggasse. Auf der Hauptfassade erheben sich zwei charakteristische Türme, die das Stadtbild auch aus der Ferne prägen. Neben der Kirche steht das zweistöckige Gebäude des ehemaligen Franziskanerklosters.
Das Gebäude trägt die Züge der Übergangszeit zwischen Barock und Klassizismus und gehört zu den Franziskanerhäusern mit der reichsten Tradition in Siebenbürgen — im 18. Jahrhundert wirkte hier eines der bevölkerungsreichsten Franziskanerklöster Siebenbürgens.
Die zweitürmige Fassade vom Hauptplatz aus · lokale Quelle
300 Jahre im Herzen der Stadt
Die Stiftung von István Lakatos
István Lakatos, Pfarrer von Cozmeni und gebürtig aus Odorhei, vermachte sein väterliches Erbe den Franziskanern. Die Stiftung umfasste das Grundstück an der verkehrsreichsten Straße, die vom Hauptplatz wegführt, samt dem darauf stehenden, zur Kapelle umgebauten Steinhaus.
Niederlassung der Franziskaner
Endgültige Niederlassung der bosnischen observanten (salvatorianischen) Franziskanermönche in Odorheiu Secuiesc. Damit begann eine 245 Jahre andauernde, ununterbrochene Präsenz in der Stadt.
Grundsteinlegung
Der Grundstein der an der südlichen Ecke des Grundstücks errichteten Kirche wurde 1730 gelegt. Zwar erscheint auf einem Steinblock über dem Tor auch das Jahr 1728, doch die eigentlichen Bauarbeiten begannen erst 1730.
Inbetriebnahme
Bereits vier Jahre nach der Grundsteinlegung wurde die Kirche bestimmungsgemäß genutzt — auch wenn die Inneneinrichtung noch nicht vollständig war.
Fertigstellung der Kanzel
Die barock geschnitzte Kanzel wurde 1747 aufgestellt — eines der frühesten Innenkunstwerke der Kirche.
Konventsrang
Das Kloster in Odorheiu Secuiesc erhielt Konventsrang — im franziskanischen System ein Haus von besonderer Bedeutung, in dem auch mehrere Kapitelsitzungen abgehalten wurden.
Die Arbeiten von Mátyás Veres und Krisztina Perger
Der Hochaltar und die Innenwände wurden vom Maler Mátyás Veres und seiner Frau Krisztina Perger zwischen 1780 und 1781 bemalt und vergoldet. Auf den Säulenkapitellen des Altars sind König Heiliger Stephan und König Heiliger Ladislaus sowie der heilige Petrus und der heilige Paulus dargestellt — eine Besonderheit ist, dass auch eine Künstlerin an den Arbeiten beteiligt war.
143 Jahre Elementarschule
Das Kloster unterhielt eine Elementarschule — fast eineinhalb Jahrhunderte lang war sie eine der wichtigsten Bildungseinrichtungen der Stadt, vor allem in der Erziehung katholischer Jungen.
Die Deckenmalerei von Ferenc Herczeg
Die Deckendekoration im Inneren der Kirche wurde in der bis heute sichtbaren Form vom Maler Ferenc Herczeg aus Târgu Mureș, einem Schüler von Károly Lotz, geschaffen. Sein Werk verlieh der Kirche ihr heutiges reiches Innenbild.
Verschleppung der Mönche
In der Nacht vom 20. August 1951 ließ das kommunistische Regime die Franziskaner verschleppen und verbot die Tätigkeit des Ordens. Das Gebäude diente zunächst als Lager, später als Jungeninternat.
Ankunft der Mallersdorfer Schwestern
Ein Teil des Klosters wurde den Franziskanerinnen von Mallersdorf für 25 Jahre übertragen. Die Schwestern leben und wirken bis heute in dem Gebäude.
Rückkehr der Franziskaner
Die Mönche konnten nach 49 Jahren, im Jahr 2000, nach Odorheiu Secuiesc zurückkehren. Die Kontinuität war wiederhergestellt — das Franziskanerkolleg Seraficum ist bis heute in Betrieb.
Die inneren Schätze der Kirche
Hochaltar
1780–1781: bemalt und vergoldet von Mátyás Veres und Krisztina Perger. Zentrale Figur ist die lebensgroße Statue der Jungfrau Maria, daneben die Gestalten des heiligen Stephan, des heiligen Ladislaus, des heiligen Petrus und des heiligen Paulus.
Kanzel
Barock geschnitzte Kanzel, 1747 entstanden — eines der ältesten Innenkunstwerke der Kirche, mit reich geschnitztem figürlichem Dekor.
200 Jahre alte Orgel
Der Stolz der Kirche: eine fast 200 Jahre alte, bis heute spielbare Barockorgel. Ihr Klang erfüllt bis heute das Kirchenschiff — ein vollendeter Vermittler barocker Kirchenmusik.
Die Herczeg-Decke
1928: Ferenc Herczeg, ein Schüler von Károly Lotz aus Târgu Mureș, bemalte die Decke des Kirchenschiffs. Die Dekoration ist bis heute in ihrer ursprünglichen Form sichtbar.
Bemalte Glasfenster
Ein bemaltes Glasfenster aus dem Jahr 1901 mit einer Signatur in ungarischer Sprache — ein wertvolles Beispiel der religiösen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts.
Zwei Glocken und 7 Altäre
Im östlichen Turm erklingen zwei Glocken. Im Kirchenraum befinden sich sieben Altäre — der Hochaltar und sechs Seitenaltäre zur Verehrung Marias, Christi und der Heiligen.
Die Kirche in Bildern
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Lebendige Kirche — lebendige Gemeinschaft
Die Franziskanerkirche und das Kloster sind nicht nur ein Baudenkmal — sie sind ein lebendiges religiöses und Bildungszentrum. Im Klostergebäude befindet sich heute das dem heiligen Antonius geweihte Franziskanerkolleg Seraficum, das 19 Gymnasiasten Unterkunft und religiös-sittliche Erziehung bietet. Hausoberer: Fr. Kádár Ernő Kristóf OFM.
Die Kirche ist ein beliebter Ort der Antonius-Großnovenen und Exerzitien — für katholische Gläubige eines der wichtigsten geistlichen Zentren von Odorheiu Secuiesc. Der Tag der ewigen Anbetung ist der 4. Oktober (Fest des heiligen Franziskus).
Nützliche Hinweise
Erreichbarkeit
- Adresse: Tamási-Áron-Straße 2
- Ort: 535600 Odorheiu Secuiesc
- Telefon: +40 266 213 016
- GPS: 46.3045° N, 25.2939° O
Öffnungszeiten
- Der Vorraum ist rund um die Uhr geöffnet
- Heilige Messen: Sonn- und Feiertage: 9:00 und 18:00 Uhr
- Werktags: 19:15 Uhr
- Innenbesichtigung während der Gottesdienste
Was sehenswert ist
- Der Hochaltar von Mátyás Veres und Krisztina Perger
- Die barocke Kanzel von 1747
- Die 200 Jahre alte Orgel
- Die Decke von Ferenc Herczeg aus 1928
- Das bemalte Glasfenster von 1901
Tipps
- Eintritt KOSTENLOS
- Stille Meditation: in den frühen Morgenstunden
- 4. Oktober — ewige Anbetung
- Neben dem Hufeisenplatz, Fußgängerzone
Verwandte Sehenswürdigkeiten
Hufeisenplatz
Der Hauptplatz der Stadt — schon von der Kirchenecke aus sichtbar, nur wenige Schritte entfernt
Haáz-Rezső-Museum
Die ethnografische und lokalhistorische Sammlung der Stadt, 10–15 Gehminuten entfernt
Odorheiu Secuiesc
Die übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt — die „Mutterstadt der Szekler"